Specht wird in die Tierklinik gefahren (fliegen ist nicht drin)

Specht: Zweiter Akt!

Buntspecht (Dendrocopos major),… klingt gefährlich!

 

 

 

Und während ich das schreibe, macht sich der kleine Kerl (oder die Kerlin) auch recht laut - im zum Spechtzimmer umfunktionierten Zweitbad - bemerkbar. Wie gut, dass wir ein zweites Bad haben!

Wie geht es meinem Patienten/Buntgast?

Die Röntgenkontrolle in der Tierklinik Sattledt ergibt eine kleinere Verletzung am rechten Flügel, im oberen Flügelbereich sowie einen Bruch, auch im Bereich des rechten Flügels (etwa dort, wo bei uns der Ellbogen sitzt). Der Bruch wurde inzwischen bandagiert und hat nun 14 Tage Zeit, um zu heilen. Dann ist Spechtkontrolle angesagt. Dank Frau Dr. Streitberger konnte ich den Vogel gleich wieder mitnehmen, denn ich werde mich bis dahin um das Tier kümmern.

 

Übrigens: So ein Röntgenbild eines Vogels ist echt interessant!

 

Spechtanamnese:

Gesundheitstest & körperliche Fitness hervorragend.

Allerdings wurde eine kleine Anomalie an der Spechtzunge gefunden und es bestehen Zweifel, ob der Jungspecht selbständig Nahrung aufnehmen kann.

 

Buntspechte zählen zu den Nesthockern, d. h. sie werden im Nest von den Eltern versorgt. Nachdem ich den Jungspecht von den ersten Ausflügen her kenne (erste Beobachtung am 04.06.) und ich mir fast zweifelsfrei sicher bin, dass es genau jener Jungspecht ist, den ich immer wieder mit seiner Mutter an der Fütterung beobachten konnte, meine ich, dass er bereits alt genug ist, um nicht mehr von einem Elternvogel versorgt zu werden. Er muss sich also in den letzten Tagen schon selbständig ernährt haben. Zumindest hoffe ich das! Wäre gut für sein weiteres Überleben, nicht nur die nächsten Tage, sondern generell. In der freien Natur ist es eine Grundbedingung, dass er sich selber versorgen kann.

 

Ein Specht ist ein Wildtier und ich habe nicht vor diesen Jungvogel zu meinem Haustier zu machen. Das bedeutet, dass er mich nur wenig sehen wird, z. B. wenn ich das Wasser tausche, das Futter kontrolliere, mich die Neugier übermannt (oder überfraut), weil ich wissen will, was sich so tut im Spechtland. Doch sonst werde ich ihn nicht zu sehr an mich gewöhnen. Er soll wild bleiben.

 

Denn: Wenn in den nächsten Tagen und Wochen alles gut geht, soll der Vogel unbedingt wieder in Freiheit entlassen werden. Fliegen soll das Junge. Das würde mir die größte Freude bereiten.

 

Also: Der Specht in seinem Käfig darf sich jetzt die Rosinen aus dem Futter picken. Nüsse, Apfelstückchen, Körner und (tote) Mehlwürmer auch. Für die Futtermischung hat sich auch seine Mutter interessiert und solange er noch nicht im Maul der Katze gelandet war, hat auch er das brav gefuttert.

 

Das Geschlecht ist noch unklar, denn ein Jungvogel trägt nicht die deutlichen Unterscheidungsmerkmale eines erwachsenen Tieres, wobei es heißt, dass ein junges Männchen einen recht rot befiederten Kopf im Verhältnis zu einem Weibchen hat. Da ich jedoch gerade keinen Zweitvogel für eine Verhältnisbestimmung zur Hand habe, fällt die Geschlechtsbestimmung einfach aus. Ist ja eigentlich auch völlig Specht, also, ähhhmmm, wurscht!

 

Jedenfalls: Mögen der Bruch und die Verletzung gut heilen und es wieder fliegen können.

 

Während ich das schreibe, höre ich den Vogel immer noch im Nebenzimmer in seinem Käfig herumturnen. Kletterer ist er wirklich ein guter, auch mit einem fixierten Flügel.

Herr oder Frau Specht will sich schon wieder in Freiheit pecken, was ihm bei Metall höchstens ein Schädel-Hirn-Trauma einbringen wird, denn auch ein gut gelagertes Spechthirn hält nicht alles aus.

 

Gruß, Astrid

 

PS: Einen Namen hat er trotzdem bekommen: „Nock-Nock“, schließlich ist er Österreicher. Wäre er Engländer hieße er „Knock-Knock“. Alles klar ;)

 

www.tierklinik-sattledt.at

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