www - Würzige WortWechsel

Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

...zum Nachlesen...

Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Veränderungen: Eine Beobachtungsstudie!

21. Mai 2020 10:42 Uhr

 

REICHRAMING. Nach Wiederöffnung der Gastronomie gibt sich Astrid Miglar heute einer Beobachtungsstudie hin. Und sie trifft dabei auf den Trenzer. Am Dienstag folgt wieder Franz Brunner in der Reihe "Würzige WortWechsel".

  

 ***

 

VerENDErungen!?

 

Da sitzen sie. 
An der Bar. 
Erste Reihe, beinahe fußfrei zur hübschen Bardame und damit direkt an der Quelle zum Glück.

 

Der Gewissenhafte. 
Der Freiheitsliebende. 
Der Unkomplizierte.
Der Gemütliche. 
Der Trenzer. 

 

Sie alle sind wichtig, wenn es um die bunte Mischung geht. Keiner kommt ohne den anderen aus. Sie brauchen sich im Verbund. 


Furchtbarer als die anderen Hockersitzer, jedenfalls aber äußerst interessant, ist der Trenzer.

 

Trenzer, der (Substantiv, maskulin): Bedeutung allgemein: Weinen, speicheln, sabbern. 


Bedeutung im oberösterreichischen Ennstal: Ein Jammerer, der zu allem seinen Senf gibt, meist jedoch etwas zum Beklagen hat. Er findet kaum Positives an einer Angelegenheit und ist insgesamt kein Freund von Veränderungen.

Der Trenzer mag Beständigkeit, bevorzugt seinen üblichen Sitzplatz im Lokal und kann es nicht leiden, wenn dieser von einem anderen Hintern besetzt wird. Der Trenzer weiß alles. Vor allem besser. Er kennt sich in jedem Fachgebiet aus, kann mitreden. Auch ungefragt. Er ist Techniker, Chirurg, Aktienhändler und Bäcker, obwohl er nichts von allem erlernt hat. Er weiß instinktiv, dass die Vorschläge seiner Mitmenschen von geringem Wert sind. Wird er schließlich zu aktiven Handlungen gezwungen, glänzt er durch faule Ausreden und Flucht, die er mit dringlicher Reisetätigkeit, wichtigen Besorgungen oder überaus aktiver Darmtätigkeit entschuldigt. 
Zusammengefasst: Ein bemerkenswert entzückender Mitmensch, der belächelt und als Unikat bezeichnet wird.
 
Doch nicht nur der Trenzer hat wenig Verständnis für Veränderungen: 
"Der Wirt hat doch erst vor 15 Jahren die Biersorte geändert, warum denn jetzt schon wieder?"

 

Auch ich bin keine Anhängerin von Veränderungen. 
Was ich liebgewonnen habe, mag ich nicht mehr hergeben, will ich behalten dürfen. Auch Geschmäcker.


"Warum schmeckt das Milcheis einer bekannten Marke nicht mehr so gut wie vor 40 Jahren?"
"Ist das Eis womöglich sogar kleiner geworden? Oder ich größer?" 
"Oder liegt die Geschmacksverschlechterung vielleicht daran, dass ich die ideologischen Werte des herstellenden Konzerns nicht leiden kann?"

 

Darüber kann ich nun besonders lang und besonders ausgiebig nachdenken, während sich die Gespräche rund um mich um Hundekot, um Haarausfall und das Ende einer Lieblingsserie im Fernsehen drehen. 


Dann stelle ich fest: Denken verändert nichts. Rein gar nichts. Außer vielleicht die Art meiner Gedanken. 
Wenn ich will, dass etwas passiert, muss ich mich trauen, darf mich nicht fürchten. 
Ich muss mutig sein, mich begeistern können. 
Ich darf mich sogar ein bisserl über meine Spontanität freuen und darüber, dass ich ungeheuer draufgängerisch bin und überhaupt eine Entscheidung treffe. 


Und so bestelle ich „Einen Jägermeister bitte!“ und merke umgehend, dass die Veränderung zu meinem üblichen Konsumverhalten dazu führt, dass ich mir ein Versagen prompt eingestehen muss, denn dieser Kräuterlikör ist absolut nicht meine Geschmacksrichtung. Ein Riechen daran genügt, und ich schiebe das Getränk dem Trenzer hin, der sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegt und bekennt, dass er eifriger Restltrinker ist. Immer schon.

 

Veränderung, lerne ich, darf also auch durch Versagen bestimmt sein. Zumindest durch Irritation und einer hoffentlich nur kurzfristigen Verschlechterung einer Situation. Eine Veränderung ist nichts Endgültiges, das tröstet mich ganz außerordentlich während sich der Geruch des Kräuterlikörs aus meiner Nase verflüchtigt.

 

Veränderungen können positiv sein, konstruktiv, ein Weg zum Erfolg, ein Griff ins Klo.

Veränderungen gehört unvermeidlich zum Leben. Wir können uns nicht nicht verändern, und das ist gut so, sonst würden Sie diese Kolumne nicht lesen, weil ich sie schlicht nicht geschrieben hätte. 

 

VerENDErung ist nichts Endgültiges.

 

Fußnote: 
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit des Textes wurde in der Erwähnung der Hauptpersonen die beinahe ausschließlich männliche Form gewählt. In den meisten Fällen beziehen sich die Angaben daher nicht auf Angehörige beider Geschlechter.

Na so was!

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-veraenderungen-eine-beobachtungsstudie;art68,3259985



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Geduld & Normalität

14. Mai 2020 10:45 Uhr

 

REICHRAMING. Wie normal Astrid Miglar ist, was sie von dehnbarer Geduld hält und wie es um ihre Jugendsprachkenntnisse steht, erfahren Sie im folgenden Beitrag der "würzigen WortWechsel". Am Dienstag wird sie wieder von Franz Brunner abgelöst.

  

 ***

Strapazierte Geduld, ein wenig Normalität & wild zu verteilende Küsse!

 

Zuweilen strapaziert die Zukunft unsere Geduld, wobei Geduld etwas ist, das einem nicht unbedingt in die Wiege gelegt wird. Geduld kann man erlernen, indem man Ausdauer zeigt und sich in Gelassenheit übt.

Angeblich!

Was ich mit einem spöttischen „Sehr witzig!“ kommentiere und dazu ungeduldig mit einem Bein wippe. Unterm Tisch. Damit niemand sieht, dass Geduld nicht zu meinen herausragenden Charaktereigenschaften zählt.

 

Seit Wochen befinden wir uns in einer intensiven Lernphase betreffend Geduld, Durchhaltevermögen und neue Normalität. Ich ahnte bereits zu Beginn, dass es für mich anstrengend werden wird, denn zu den lammfromm-gleichmütigen Menschen gehöre ich nicht. Das beginnt damit, dass ich mit mir selbst nicht besonders geduldig bin. Mit anderen eher. Allerdings gesamt gesehen auch nur so lange, bis mir der Geduldsfaden reißt.

Der Geduldsfaden ist übrigens kein Gummiringerl, das sich gut dehnen lässt. Zumindest meiner nicht.

 

Beharrlich gebe ich mich der täglichen Arbeitsroutine hin, während im Hinterkopf Vorstellungen zu unmaskierten Treffen mit Familienangehörigen, Freunden und Wildfremden kreisen. in

 

In besonders übermütigen Gehirnzellen manifestieren sich Gedanken an Feste, die gefeiert werden wollen.

Es gibt, ich kann mich dunkel daran erinnern, zahlreiche Vergnügungen, die auf mich warten, z. B. ein herzlich-kreatives Zusammensein mit meiner textQuartett Steyr-Schreibrunde, die ich schon gefühlte Ewigkeiten nicht mehr treffen durfte. Ich vermisse meine 3 Vierterl und werde vermutlich bei unserem Wiedersehen vor Glück trunken sein, ohne auch nur ein Schlückchen Alkohol konsumiert zu haben und einen Glücksjodler anstimmen, obwohl ich gar nicht jodeln kann.

 

Genauso geduldig (zähneknirschend) schiebe ich einige meiner Träume auf. Ein klitzekleines Teilchen Zukunft liegt in Lauerstellung und wartet darauf in Erfüllung zu gehen.

 

Ich vermute, dass andere Menschen deutlich strapazierfähiger sind als ich. Wer kennt sie nicht die berühmten Worte „Das mach‘ ich, wenn ich in Pension bin, dann habe ich Zeit dafür.“

Derartige Aussagen nötigen mich dazu eine verblüffte Mimik zur Schau zu stellen.  Es kann sein, dass mein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Bestürzung und Verwunderung schwankt, denn mir wäre es einfach zu spät meine Vorhaben auf die Zeit des Ruhestands zu verschieben, weiß ich doch heute wirklich nicht, ob sich meine Zukunft Zeit nimmt und geduldig darauf wartet sich mit meinen kommenden Anliegen zu beschäftigen.

 

Geduld?

Normalität?

Ich knurre ein bisserl und bewundere ehrfurchtsvoll das Loch, das ich mit bloßen Füßen in den harten Parkettboden gescharrt habe.

 

Die von mir sehnsüchtig belauerte Eröffnung meines Lieblingsgastgartens, den ich ohnehin viel zu selten besuche, wird nur mehr kurz auf sich warten lassen. Ich schwöre, ich werde zum Stammgast mutieren.

 

Immerhin, den ersten Haarschnitt nach einer langen Geduldsphase, haben etliche Leserinnen und Leser wohl schon hinter sich.

Ein echtes Erlebnis. Beinahe einem einwöchigen Wellnessaufenthalt gleichzustellen.

Übrigens: Meine Haare wurden während der letzten Wochen von meinem Mann geschnitten. Ich hatte Glück, dass sein Können keinen Ausdruck in dramatisch-avantgardistischen Formen gefunden hat. Ich muss also nicht mit Würde einen besonders kreativen Stil tragen.

Trotzdem: Ich freue mich auf meine Lieblingsfriseurin und werde willig Haare lassen.

Ich warte geduldig auf einen Termin, der mir Normalität verspricht.

 

Und: Tante Astrid lauert auf die Zeit, in der sie ihre Nichte und die Neffen wieder abknutschen darf. Die Nichte kann lesen. Der große Neffe auch. Im kleinsten Nichtleser lebt meine Hoffnung, denn die Lesebefähigten werden sich beizeiten vorsorglich in die andere Richtung verkrümeln und den Kleinsten seinem Schicksal überlassen, sobald die Tante mit ihrem FIAT Panther anflitzt.

Kluge Kinder!

Doch ich erwische euch alle.

 

„BOG! Die ist doch nicht normal!“, höre ich ein Flüstern. (*)

 

Doch, doch, meine Rückkehr zur Normalität startet demnächst, obwohl ich – ganz ehrlich – nicht weiß, wie das gehen soll, denn aktuell fühle ich mich bereits belästigt, wenn sich jemand näher als 2 Meter an mich heranschleicht. Meine soziale Distanzierung ist also inzwischen tief verinnerlicht. Wie wird das erst, wenn meine Arbeitskollegen aus dem Homeoffice wieder zurück ins Büro kommen?

 

 

(*) „BOG“ ist als frisch kreiertes Jugendwort ein Allroundtalent, in allen Situationen flexibel anwendbar. Die genaue Bedeutung erfrage man bitte bei Schülern des BRG Steyr. Ich stelle gerne den Kontakt her.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-geduld-normalitaet;art68,3258343



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Emanzipation,... eine bösartige Erfindung?

08. Mai 2020 10:23 Uhr

 

REICHRAMING. Eigentlich hätte Astrid Miglar bereits gestern ihren stark gewürztes Wechselwort loswerden wollen und sollen. Die Redaktion hat es aber irgendwie nicht geschafft, dass Astrids Text auf Sie losgelassen wurde. Wir bitten um Nachsicht und holen die heute nach. Am Dienstag folgt (hoffentlich) wieder Franz Brunners WortWechsel zum Tag.

 

 ***

Personen, die beim Lesen der Wörter >Emanzipation< oder >Feminismus< Würgereiz verspüren, sollten JETZT tapfer sein, heißt es doch „Den Mutigen gehört die Welt!“, und genau denen widme ich diese Zeilen.

 

Kann Frau emanzipiert, womöglich sogar Feministin sein und gleichzeitig Männer mögen?

 

Ja, unbedingt.

Das eine schließt das andere nicht aus.

 

Eine nicht zu leugnende Tatsache ist, dass Frauen und Männer von Natur aus ungleich sind. Aber, auch Frauen untereinander sind niemals gleich, genau so wenig gleicht ein Mann dem anderen. Trotzdem wird genau dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern wiederkehrend als Argument gegen Gleichberechtigung herangezogen.

 

Ich starte zu meinem brandgefährlichen Thema eine Befragung im direkten Umfeld. Dazu gehe ich hinterhältig vor, verhalte mich, als könnte ich kein Wässerchen trüben, schlürfe Kaffee und weiß jetzt schon, es wird keine statistisch wegweisende Wahrheitsfindung werden. (Passen die Wörter Statistik und Wahrheit überhaupt zusammen?)

 

Ich bekritzle belanglos meinen Notizblock und stelle dem Subjekt meiner Befragung völlig unerwartet DIE eine KNALLHARTE Frage:

„Hältst du mich für emanzipiert?“

Mein Mann antwortet gelassen, weil ihm meine schnurstracks hingeworfenen Attacken vertraut sind:

„Ja, du bist unabhängig und gewohnt Entscheidungen zu treffen.“

 

Perfekte Antwort.

Genug der Worte.

Ich bohre nicht weiter und halte fest: Ich bin in seinen Augen also eine selbstverantwortliche Frau.

 

Selbstverantwortung?

Ja. Bitte. Unbedingt!

 

Es fällt mir leicht das zu sagen, weil ich in einem Land lebe, das ich grundsätzlich für fortschrittlich halte, was nicht bedeutet, dass das fortschrittliche Land nicht noch fortschrittlicher werden soll.

Frauen werden in vielen Ländern benachteiligt. Es wird ihnen das Recht auf Bildung verweigert, sie dürfen nicht frei über ihren Körper bestimmen, sind Gewalt und Vorherrschaft bevormundender Strukturen und Rechtsvorstellungen ausgeliefert.

Gleichstellung der Geschlechter, Unabhängigkeit, der Respekt gegenüber der Würde des Menschen sowie Auftritt gegen Sexismus sind Anliegen, die im 21. Jahrhundert nicht selbstverständlich sind, das Verlassen traditioneller Rollen ist jedoch mühsam.

 

Wiederkehrend berichten Frauen, dass sie in Leistungsbewertungen als dominant, barsch oder aggressiv bezeichnet werden. Frauen werden dazu angehalten sich zurückzuhalten, vor allem, wenn es um ihren Tonfall geht. Männer, die dieselben Eigenschaften an den Tag legen, werden in ihrem Betragen mit sich >noch stärker zu verhalten< motiviert. Frauen werden normiert, werden Verhaltensmuster unterworfen, deren Befolgung ihnen im nächsten Atemzug als Schwäche ausgelegt wird.

 

Nun genieße ich den Vorzug eines modern denkenden Mannes an meiner Seite, der mich in kein Rollenbild drängt. Ich kann meine Energien frei auf das verwenden, was mich begeistert. Dennoch ist mir bewusst, dass Emanzipation und Freiheit Angst machen können. Für Handlungen selbst verantwortlich zu sein, ist nicht immer einfach.

Schwierig an Selbständigkeit ist, dass – wenn man einmal damit angefangen hat – nur mehr schwer aus dieser Nummer herauskommt.

 

Doch macht es (m)ein Frauenleben tatsächlich schöner, wenn ich Verantwortung abschiebe?

Und: Sind Emanzipation und Feminismus tatsächlich gefährliche Erfindungen?

 

Wohl nur für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass alle Menschen das Recht auf anständige, gerechte Behandlung haben.

Wir sollten Vertrauen darauf haben, dass die Welt eine bessere ist, wenn sich die Geschlechter respektieren und zusammenarbeiten.

 

PS: Ich danke jenen Frauen, die Eismaschine, eine synthetische Faser namens Kevlar, Geschirrspüler, Solarheizung, den ersten Computer-Algorithmus, die Stammzellenisolation, Frequenzspreizungsverfahren, Autoheizung und Scheibenwischer erfanden oder auf den Markt brachten. Sowie jenen Männern, die für die Erfindung der Konservendose zuständig waren, genauso wie für Mundharmonika, Feuerzeug, Fahrrad, Auto, Telefon, Briefmarke und Toilettenpapier.

 

Nur die Erfindung der bügelfreien Hemden möge bitte noch einmal durchdacht werden, denn die sind allerhöchstens bügelleicht, aber nicht bügelfrei. 

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-emanzipation-eine-boesartige-erfindung;art68,3256608



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Die Faszination der Verhältnisse?

30. April 2020 10:22 Uhr

 

REICHRAMING. Astrid Miglar will Sie heute ein wenig mit ihren Verhältnissen faszinieren.

Über die „Magie der Prozente“ schrieb Franz Brunner zuletzt am Dienstag in der gemeinsamen Kolumne "Würzige WortWechsel".

***

Mathematik - ich kann mit 1000prozentiger Gewissheit behaupten - gehörte nie zu meinen Lieblingsfächern. Mathematik gleicht einer Fremdsprache, die erst dann verständlich wird, wenn man sich dieser Sprache hingibt, sich daran probiert. Die Wissenschaft der Zahlen beschäftigt sich mit komplexen Sachverhalten, beinhaltet Logik, wobei weibliche Logik von etwa 50 % der Weltbevölkerung nicht recht verstanden wird. Es sind eben nicht alle gleich begabt, wenn es um Mathematik geht.

 

Jedoch: Anziehende Faszination bleibt.

 

Beispielsweise fasziniert mich, dass wunderbar gekühlter Grüner Veltliner etwa 14 Volumsprozente aufweist, wogegen samtig-schwerer Portwein 20 % für sich in Anspruch nimmt. Wenn dann noch Sekt (12 %) und Zirbenschnaps (32 %) sowie zu guter Letzt ein Gläschen Whiskey (41 %) dazukommen, werden die Prozente immer lustiger und irgendwie auch unberechenbar. Naturwissenschaftlich betrachtet, ist es überaus faszinierend, wie aus Früchten und Getreide derart interessante Flüssigkeiten werden können. Ich bin hingerissen, ich beobachte, teste und analysiere.

 

Und dann?

Dann stelle ich fest, dass meine mathematischen Fähigkeiten enorm visionär sind, ich zu abstraktem Denken fähig bin und Zusammenhänge durchschauen kann, die bisher undurchschaubar schienen. Was womöglich auch daran liegt, dass mein Veltliner durchscheinend ist.

 

Warum ich mich während meiner Schulzeit vor Mathematikschularbeiten gefürchtet habe, wird mir nach einem Stamperl Zirbenschnaps immer unklarer. Mein Whiskey und ich müssen über meine einst voluminösen Ängste sogar ein wenig kichern.

Gut, dass uns dabei niemand beobachtet.

Gut, dass ich schon zuvor berechnet habe, dass sich in den Gläsern 119 % versammeln. So ungefähr.

Appetitlich abgefüllt, sorgsam darauf bedacht nur nichts zu verschütten, außer genau dorthin, wo es hingehört.

 

Ich habe die 100 %-Marke tatsächlich angenehm verwerflich überschritten und werde mich nun einer Promillerechnung zuwenden. Womöglich unterstützt mich mein höchstpersönlicher Polizist bei der Definition der >Magie der Promille<, beginnend mit einer hochgezogenen Augenbraue, von deren perfekter Kurvenlage ich tief beeindruckt bin.

 

Logische Schlussfolgerungen:

Mathematik ist eine Naturwissenschaft, die sich mit Körpern, Bewegungen, Mengen und anderen Phänomenen beschäftigt. Aktuell tendiere ich dazu unter anderes Phänomen zu fallen. Zumindest ein bisschen. Mir kann man begegnen, mich erkennen, verstehen und meine kreativen Taten sind durchaus logisch zu begründen.

 

Hinzu kommt, damit der Theorie auch Praktisches folgt:

Ein Weinschrank kann auch andere Getränke kühlen.

Ich strapaziere meine Leber nicht weiter, stoße auf Ihre Gesundheit an und berücksichtige gedanklich dabei die Magie der Promille.

Mein Auto bleibt in der Garage, wird vorerst nicht in Betrieb genommen.

Froh bin ich, dass ich von meiner Wohnzimmercouch nicht weit nach Hause habe.

Anstelle eines Trinkspruchs formuliere ich ein mühelos umzusetzendes Vorhaben: Ich werde künftig vor allem unsere heimische Wirtschaft fördern.

Die, direkt ums Eck.

 

Was ich mir auch von Ihnen wünsche.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-die-faszination-der-verhaeltnisse;art68,3254624



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Toleranz: Ach, wie nett! Wie freizügig sind wir wirklich? 

23. April 2020 11:04 Uhr

 

REICHRAMING. Den sechsten Teil der würzigen WortWechsel des Autorenduos Miglar/Brunner hat heute Astrid Miglar verfasst. Die Ennstalerin betrachtet das Thema Toleranz ein wenig näher. 

*** 

Toleranz. Ach, wie nett" Wie freizügig sind wir wirklich?

 

„Ich halte mich für tolerant.“

Vermutlich hat diesen Satz schon der eine oder andere Despot von sich gegeben, bevor er zum äußersten Mittel der absoluten Entscheidung griff und seiner Aussage ein „aber“ anfügte.

 

Ich bin Alleinherrscherin.

Zumindest auf ein paar hundert Quadratmetern.

Mein Garten, von mir auf den Namen >Bienenwiese< getauft, prüft meine Toleranzbereitschaft laufend. Das Leben in meiner Bienenwiese ist der Meinung, dass Toleranz bereits im Klitzekleinen beginnt und die Aufgeschlossenheit der Gärtnerin erprobt werden muss.

 

Gewähren lassen?

Dies scheitert häufig bereits gegenüber Geringfügigem. Ich höre sie, die Klagen über Unkräuter, die Gespräche über Verwendung von Gift, ablehnende und zustimmende Argumente, die zuweilen beinahe militanten Argumentationen zur Pflanzung einheimischer oder fremder Pflanzenarten…

 

Gewähren lassen!

Alljährlich im Herbst übergebe ich dem Erdboden meiner Bienenwiese wilde Mengen an Blumenzwiebeln. Es ist wie ein Rausch. Ich versenke Zwiebeln von Traubenhyazinthen, Krokussen, Narzissen und Märzenbechern. Gelbe Krokusse sind mir die liebsten, sie werden im Vorfrühling für erfreuliche Farbtupfer sorgen.

 

Toleranzbeweis 1)

Nicht nur ich freue mich über gelbe Krokusse. Herr Amsel tritt regelmäßig zu Nahkämpfen an, kaum dass sich im Frühling die erste gelbe Blüte aus der Erde schiebt. Er findet das knallige Gelb höchst aufregend, denn als Amselmännchen sieht er darin einen Amselkonkurrenten. Zumindest aber den Schnabel seines schlimmsten Amselfeindes, dem er sich stellen muss. Ich dagegen weiß, es bleiben mir noch weiße und violette Krokusse, soll Herr Amsel sich ruhig mit den gelben anlegen.

 

Toleranzbeweis 2)

Von den ursprünglich mehreren hundert Zwiebeln, die ich jährlich tieferlege, bleiben etwa zwanzig übrig die tatsächlich austreiben. Meine Wühlmäuse sind es, die sich während der kalten Jahreszeit ihre Bäuche mit Zwiebeln vollschlagen. Jedes Jahr hoffe ich auf einen anderen Ausgang. Jedes Jahr werde ich eines Besseren belehrt.

Die Wühlmäuse gedeihen.

Immerhin etwas, das gedeiht.

 

Toleranzbeweis 3)

Wussten Sie, dass Maulwürfe Fleischfresser sind?

Die Wahrscheinlichkeit von einem Maulwurf in den Zeh gebissen zu werden, liegt deutlich höher, als dass Obstbäume durch Maulwürfe Schaden erleiden, wogegen vegetarische Wühlmäuse durchaus saftige Obstbaumwurzeln lieben. Ich jedenfalls schätze Maulwürfe, auch wenn sie in meinem Garten pyramidenförmige Häufchen aufwerfen. Maulwurfserde ist perfekte Blumentopferde. Haben Sie bisher Ihren höchstpersönlichen Maulwurf für seine Grabungstätigkeit verflucht, so lassen Sie ihn künftig ruhig gewähren. Er sorgt nicht nur für feinkrümelige Erde, er liebt Fleisch pur, was bedeutet, dass er sich regulierend über Wühlmäusenachwuchs hermacht.

 

Doch wie ist es um unsere Toleranz bestellt, wenn wir es nicht schaffen über Winziges wie Unkräuter, Amseln, Maulwürfe und Mäuse hinwegzusehen?

Wenn wir aus Harmlosem etwas grauenhaft Schauerliches machen?

Wie gehen wir dann erst mit unseren Mitmenschen um?

Wie gehen wir mit jenen um, die uns nicht zu Gesicht stehen, die anderer Meinung sind?

 

Womit ich mich wieder bei der eingangs erwähnten Diktatoren-Aussage befinde „Ich halte mich für tolerant, aber…“

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-toleranz;art68,3252904



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Eine Geschichte über heftige Liebesanfälle und die Aussicht auf Hoffnung 

16. April 2020 10:33 Uhr

 

STEYR. Teil 4 der "würzigen WortWechsel" bestreitet heute die Reichramingerin Astrid Miglar. Franz Brunner folgt wieder am Dienstag.

***

Das Leben ist reizvoll, voller Überraschungen, manchmal richtig bissig. Der Unterschied besteht darin, ob ich zubeiße, mich beißen lasse oder vergessen habe, wo meine Ersatzzähne liegen. Nachfolgende Handlung läuft in ähnlicher Form Tag für Tag ab. Menschen werden um ihre Hoffnungen betrogen, wenn es um Liebe geht oder Versprechungen auf eine gemeinsame Zukunft. Mit der Aussicht auf Erfüllung von Sehnsüchten wird Geld verdient, wird gelogen und hintergangen. Wachsam bleiben!

 

Sie kennen sie?

 

Verführer, Charmeure, Lockvögel. Soziale Medien sind voll mit Fake-Konten, deren Profile interessant-schöne Gesichter bieten, die Sehnsüchte stillen.

 

Männer, die nur auf MICH warten, wovon ich durchaus zu überzeugen bin, mich kurz täuschen lasse. Allerdings nur so kurz - damit Sie ein Gefühl für Kürze bekommen - dass ich jeden 100-Meter-Lauf gewinnen würde. Selten, nur wenn ich wirklich übermütig bin, lasse ich mich auf dieses Spiel ein.

 

Ich kann ihre Lügen riechen, bevor das erste Wort verfasst wurde. Ich erkenne ihre Schwindeleien an der Art ihrer Präsentation. Ganz abgesehen davon, dass mir der letzte Lügner das Profilfoto eines berühmten türkischen Schönheitschirurgen unterjubeln wollte.

 

Warum ich das weiß?

 

Das Netz hilft auch bei der Suche nach gestohlenen Gesichtern.

 

Wie begegne ich also meinem höchstpersönlichen Herzensbrecher?

 

Er – der hinreißend Gutaussehende – schickt mir eine Freundschaftsanfrage. Nur MIR. Sein Porträt überzeugt. Ich verliebe mich blitzartig und weiß instinktiv, auch ihm wird das gelingen. Nämlich sich sofort und unsterblich in mich zu verlieben.

 

Kaum ist die Freundschaftsanfrage bestätigt, schicke ich meine erste Nachricht in seine Welt. Ich will nicht warten, bis er mich kontaktiert. Sie müssen wissen, ich bin heißblütig. Ich gebe richtig Gas. "Oh my god. You are sooo hot!!! How old are you?“

 

Meiner Nachricht füge ich eine außerordentlich dramatische Anzahl an Herzen hinzu, schließlich zählt der erste Eindruck.

Ob ich zu dick aufgetragen habe? Keinesfalls. Offenbar bin ich ein Naturtalent. Ein weiblicher Casanova. Casanovarova also.

 

Mein Süßer sitzt vor Oslo auf einer Ölplattform und schüttet mir sein Herz aus. Seine Lebensgeschichte unterscheidet sich kaum von jener seiner Vorgänger. "Ich bin seit kurzem Witwer, habe einen kleinen Sohn/eine kleine Tochter, liebe Hunde/Katzen und habe eine Vorliebe für Blumensträuße/Sonnenuntergänge."

 

Dieses Mal ist er Ingenieur (nicht Arzt oder Anwalt). Er ist übrigens bereits der zweite Ingenieur, der sich auf einer norwegischen Ölplattform nach mir verzehrt, vielleicht sogar Tränen vergießt. (Befinden sich beide womöglich auf derselben Plattform? Wird der Meeresspiegel aufgrund vergossener Tränen dramatisch ansteigen?)

 

Er opfert mir seine wertvolle Zeit. Er weiß es noch nicht, doch sein Hoffen ist umsonst. In dieser Hinsicht bin ich grausam. So grausam wie jene pubertären Typen und Typinnen, die auf einen Anruf warten lassen, der nie kommt. Das ist MEINE Chance auf spätpubertäre RACHE.

 

Ich warte nur noch seine Anfrage zu meiner finanziellen Gesamtsituation ab. So viel Zeit muss sein.

 

Dann erfolgt…

 

…der Todesstoß!

 

Zuerst empfehle ich meinem Ölingenieur seinen Schönheitschirurgenzwilling im türkischen Izmir zu besuchen. Ich finde, die beiden sollten sich unbedingt kennenlernen. Obendrein bitte ich ihn künftig einfallsreichere Lebensläufe zu entwickeln. Ich will nicht sagen, dass Ingenieure, Ärzte und Anwälte out sind. Gar nicht. Aber wenn sie in Massen auftreten, sind sie doch ein wenig überwältigend. Immerhin weiß die halbe Welt, dass Frauen auf Uniformen stehen und Mechaniker.

 

Außerdem: Ich bin gelangweilt und gelangweilte Frauen sind hinterhältig (zumindest ich) - in Corona-Zeiten noch ein bisserl mehr als sonst.

 

Resümee: Ich lasse sein Profil löschen. Ein Fake-Konto weniger. Jetzt gehe ich die Bearbeitung der anderen 999.999 an.

Und wo bleiben nun die Lichtblicke?

 

Es sind nicht Betrüger, die unsere Gesellschaft ausmachen. Gewiss nicht, denn es gibt sie. Menschen, die es ehrlich mit uns meinen, und damit lebt die Hoffnung auf Aufrichtigkeit.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/eine-geschichte-ueber-heftige-liebesanfaelle-und-die-aussicht-auf-hoffnung;art68,3250921



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in Nachrichten

Astrid Miglar: Nichts Tödlicheres, als langsam wachsende Furcht 

09. April 2020 11:58 Uhr

*** 

REICHRAMING. Nach dem Steyrer Franz Brunner zum Auftakt ist heute die tief verwurzelte Ennstalerin Astrid Miglar in der Reihe "würzige WortWechsel" mit ihrer Kurzgeschichte an der Reihe.

In Zeiten wie diesen gibt es nichts Tödlicheres als langsam wachsende Furcht!

 

In Zeiten wie diesen wünschen wir uns, dass in einer Woche, in zwei Wochen, in allerhöchstens drei oder vier Wochen alles wieder beim Alten ist. Wir möchten, dass sich unsere Pläne für die nahe Zukunft erfüllen. Freizeitwünsche, Urlaube. Wir wollen Feste feiern, ohne uns ängstigen zu müssen.

 

Wie geht es mir, die ich tatsächlich für Ende Mai Urlaub gebucht habe? 

 

Nach Frankreich. 

 

Dorthin, wo die Corona-Situation derart angespannt ist, dass Menschen älter als 75 Jahre, die als Notfall ins Krankenhaus kommen, keine künstliche Beatmung erhalten können. Nötige Kapazitäten dafür sind einfach nicht vorhanden. 

 

Ich sitze vor meinem Laptop, betrachte meine Finger, die darauf warten, dass sie in die Tasten hauen dürfen und merke, wie gleichgültig mir mein Urlaubswunsch geworden ist. Ich erkenne, wie nebensächlich es ist, dass ich mich darauf gefreut habe, meine miserablen Französisch-Kenntnisse an den Französinnen und Franzosen zu erproben (ich kann perfekt nach den Toiletten fragen). 

 

Ich erkenne die Unwichtigkeit mancher meiner Wünsche. 

Ob ich die neueste Frühjahrsmode benötige oder die Wahl zwischen 5 oder 10 verschiedenen Joghurtsorten haben muss? 

 

Ich erkenne die Instabilität der Gegenwart und bemerke, dass ich mich hinter trügerischer Sicherheit versteckt habe, dass ich unzufrieden bin, weil der Ausgang dieses Szenarios für mich nicht kontrollierbar ist. 

Ich schätze mich glücklich, dass in meiner Welt die Versorgung mit Wasser, Strom und Nahrung gesichert ist.

Ich ahne, dass mich Selbstverständlichkeit einholen wird, wenn sich die Situation wieder normalisiert.

 

Will ich wirklich vergessen? Und was kommt DANACH, nach Corona?

 

Wie im Film wünsche ich mir ein Happy-End. Doch diese liebenswert-schnulzige Garantie gibt es nicht.

 

Ich begreife, dass Furcht ein schlechter Ratgeber, das Erkennen von Gefahr ein wichtiger Instinkt ist.

Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass meine Stärke in der Ruhe liegt, nicht in der Panik.

Ich wünsche mir die Gabe genau hinzusehen, einen kritischen Blick. Zu werten, was wichtig ist und was mich nur als wichtig blenden will.

 

Und ich wünsche mir die Seele streichelnde Kleinigkeiten:

Kaffee (schwarz und teuflisch stark).

Ein Punschkrapferl mit viel Rum inside.

Herzhaftes Lachen, um Mutlosigkeit Konter zu bieten, ganz nach dem Zitat einer Figur aus Umberto Ecos >Der Name der Rose<: „Lachen tötet die Furcht!“

 

(Die Figur hat übrigens noch mehr gesagt, aber ich habe beschlossen deren Wortmeldung nach diesen vier Worten abzuwürgen.

Ich bin eine Frau, ich darf das.)

 

Xund bleib’n!

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-nichts-toedlicheres-als-langsam-wachsende-furcht;art68,3249485



07.04.2020

Oberösterreichische Nachrichten  

Das Geheimnis ist keines mehr!

Wir - Franz & ich - werden künftig die Kolumne "www - Würzige WortWechsel" in den OÖ Nachrichten befüllen.
Lesen & genießen!


Was bitte?

"Würzige WortWechsel?"

Falsch! Völlig falsch!

Es muss heißen: Wer bitte sind...

"Würzige WortWechsel?"

Lasst Euch überraschen, denn diese Baustelle wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet.

Der Arbeiter und die Arbeiterin oder auch umgekehrt, haben sich längst kennengelernt und abgesprochen.

Ein erster Plan steht.

Doch: Noch ist nicht allzuviel passiert. Wenn etwas passiert wäre, stünde das bereits hier.

Aber DANACH, wenn alles vorüber ist, wird alles anders sein.

Hmmmm? Wird es das wirklich?

Nur eins noch, der da - Franz Brunner - ist der Rädelsführer: www.franzbrunner.at

Bleibt d'ran. Mehr folgt!

Gruß, Astrid

(01.04.2020,... kein Aprilscherz,... oder doch?)