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Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

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Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

 

Astrid Miglar: Einmal Anschieben bitte.

02. Juli 2020 11:22 Uhr

 

REICHRAMING. Astrid Miglar schreibt in ihrer Kolumne heute würzig über das Verschaukeln, Mogelpackungen und die Vielzahl an Blendern. 

***

 

Verschaukeln: Einmal Anschieben bitte!

Wer lässt sich schon gern verschaukeln? „Ich, ich!“, rufe ich laut, einfach weil ich prompt einer falschen Auslegung aufsitze. Ich werde soeben verschaukelt. Von meinem kleinsten Neffen, der mich auf seinem liebsten Spielzeug Platz nehmen lässt. Die Hutsche (kennen Sie das Wort noch?) hält 120 Kilo aus, also auch mich.

Während er mich schaukelt, ist ihm wichtig, dass ich dabei vor Angst quietsche. Möglichst laut. Aus Solidarität quietscht er mit, was eher nach herzerfrischendem Bubenlachen klingt. Ich will aber nicht vorwurfsvoll erscheinen, denn in Wirklichkeit gefällt es mir, wenn ich vom Kleinsten verschaukelt werde. Also spiele ich sein Spiel mit.

Sonst allerdings macht verschaukelt zu werden keinen rechten Spaß.

Das milde, beinahe niedliche Wort "Verschaukeln" ist in Wahrheit nichts anderes als Betrug. Ich werde ausgetrickst. Mir wird etwas vorgetäuscht, z. B. das Versprechen eines hippen Lifestyles, den ich durch den Erwerb eines besonders tollen Produkts auf mich übertragen kann. Ganz bestimmt! Beeindruckend passend gewählte Hintergrundmusik, die mich beim Einkaufen auf Spur bringen soll. Rote Preisschilder, die meine Aufmerksamkeit erregen und mich zum Kauf animieren möchten, denn so günstig treffen wir uns – das Produkt und ich – sicher nie wieder. Darauf bin ich konditioniert. Werbung wirkt.

Limitierte Angebote, die mich in wilde Panik versetzen. Limits sind nahezu perfekt dazu geeignet. Sie wirken magisch, wenn es um beschleunigten Kaufrausch gehen soll. Kauf drei, zahl zwei! Obwohl man das dritte Teil nicht braucht und es schließlich wegwirft, weil ein Verschenken nicht mehr möglich ist oder gar nicht erst in Betracht gezogen wurde. Besonders schmerzhaft, wenn es um Nahrungsmittel geht, die verdorben im Müll landen, weil drei einfach eines zu viel war.

Aber auch Fake-News, die uns mit Verschwörungstheorien versorgen. Uns einkochen. Uns unkritisch werden lassen. Uns gegeneinander ausspielen.

Sex sells. Häufig darf ich Brüste in Werbungen betrachten. Beinahe völlig gleichgültig welches Thema bedient wird. Schokolade, Hygieneartikel, Fliesen, Gerüstebau oder Pizzadienste. Ist noch niemandem aufgefallen, dass wir mit derartiger Werbung regelrecht hereingelegt werden? In die Irre geführt! Sex sells. Ich bekomme Süßigkeiten, Sanitärzeugs, Eisenwaren, schlammfarbene Smoothies, Nasenspray und belegte Teigfladen, sogar pinkfarbenes (!) Werkzeug, aber niemals, wirklich niemals die Brüste jener Frau, die mir alles hautfarben präsentiert.

The show must go on.

Politiker und Politikerinnen, die sich volksnah geben und sich hinter unseren Rücken über unsere Gutgläubigkeit womöglich amüsieren. Mit Beratern umgeben, die jedes rhetorische Stilmittel nutzen, jedes Knöpfchen drücken, das sich drücken lässt. Widerwille befällt mich, sehe ich Wahlplakate, auf denen sich die zur Wahl gestellten Personen mit Kindern und Tieren umgeben, die nicht ihre Kinder und nicht ihre Tiere sind.

Achtung, sie kommen, und sie haben nichts mit der saisonal lästigen Influenza, mit der Grippe zu tun, sind aber zumeist ebenso entbehrlich: Influencer. Eine Gemeinschaft von Selbstdarstellern, die völlig natürliche, absolut unretuschierte Fotos von sich und von sich und von sich und von Landschaften posten, ohne daran zu denken, was sie mit ihrem Verhalten auslösen.

Letzter Trend: Zeig dich mit einem aufblasbaren Flamingo-Schwimmreifen im Gewässer eines Landschaftsschutzgebiets und sei so selbstherrlich alle zu erinnern, dass sie genau dorthin müssen. Dorthin, wo die Natur und die Tiere ihre Ruhe vor Menschen haben wollen, damit – am bitteren Ende – Naturzerstörung und Müll übrigbleiben.

Gaukler und Gauklerinnen. Blender und Blenderinnen. Mogelpackungen.

Und einer der größten Blender? Oder sollte ich sagen ein Verblendeter? Einer der sich auf das Verschaukeln seiner Mitmenschen eingeschworen hat. Dazu noch einer, der bedauerlicherweise mächtig ist, was ganz bestimmt eine brandgefährliche Kombination ist. US-Präsident Donald Trump. Dieser Präsident geht in die Analen ein, und dieser Schreibfehler ist keiner!

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-einmal-anschieben-bitte;art68,3271329



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Astrid Miglar: Meine Berührungsliste: 007, ein Vampir & ein Pharao.

25. Juni 2020 10:22 Uhr

 

REICHRAMING. In ihrem heutigen Beitrag der "würzigen Wortwechsel" sinniert Astrid Miglar darüber, wer auf ihrer persönlichen Berührungsliste Platz finden würde. Und startet dabei bei Daniel Craig, driftet zu Roger Rabbit ab und landet schließlich bei Dracula.

 

***

 

Meine Berührungsliste ist eine Liste ohne Hintergedanken und wurde nicht erfunden, weil ich jemanden antatschen will.

Nein, gar nicht.

Ich schwöre.

Obwohl der Gedanke plötzlich reizvoll wird.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass es eine übergriffige Liste dieser Art in meinen wohlerzogenen Bürounterlagen nicht gibt. Noch nicht. Allerdings lässt sich der Einfall nicht mehr beiseite wischen. Hartnäckig hat er sich in meinem Hirn festgesetzt und lenkt mich ab. Ich gebe nach. Opfere ein bisschen meiner Zeit für Hirngespinste. Niedergeschrieben in einer Übersicht, die keiner kennen darf.

 

Ist es nicht eine wunderbare Idee eine Liste geheimer Natur zu führen?

 

Und so notiere ich, das bleibt bitte aber unter uns, zuallererst Daniel Craig.

Alle weiblichen und auch manche männlichen James Bond-Fans dürfen jetzt mit mir um die Wette seufzen und sich an die Farbe der berühmten Badehose aus Casino Royal erinnern. Ich stimme Mister Craig übrigens uneingeschränkt zu, der in einem Interview feststellte: „Ich werde die nie wieder anziehen.“ 

 

An dieser Stelle zucke ich mit den Schultern, grinse übermütig und empfehle:

„Dann zieh die Badehose halt nicht an Daniel. Die war eh‘ so eng. Das ist sicher nicht gesund und – ehrlich James, ähm Daniel – ich könnte damit leben, wenn du sie weglässt.“

 

Ich rufe mich zur Ordnung. Etwas mehr Konzentration bitte! Es geht um eine Liste und nicht um Wollüste.

 

An nächster Stelle folgt Ramses II, von Beruf Pharao, der unter Umständen unter meinen prüfenden Blicken zerbröseln wird, wogegen die Ägyptische Altertümerverwaltung sicherlich Einwände hat.

Ob die Altertümerverwaltung gegen meine Craig’schen Berührungsversuche etwas einzuwenden hätte?

Vermutlich nicht, denn Daniel ist im Vergleich zu Ramses II durchaus solide – well, well – gebaut und zudem nicht Ägypter und somit auch nicht deren Verantwortlichkeit unterworfen.

Inshallah! 

 

Bevor ich noch über weitere Namen auf meiner Liste nachdenke, gilt für die kommenden Leseminuten: Keine Angst vor Übergriffen. Das geht, es sei an dieser Stelle beruhigend erwähnt, via Online-Medien ohnehin furchtbar schlecht.

 

Es gibt unzählige Varianten von Berührungslisten, die vermutlich in vielen Gehirnen herumgeistern. Mehr oder minder bewusst. Mehr oder minder üppig. Bescheiden. Hochtrabend. Schräg. Vor allem aber völlig unterschiedlich zu meiner Liste. 

 

Meine nachfolgende, deutlich seriösere Auflistung enthält persönliche Glücksmomente.

Es ist eine Liste, die anregen soll, über das Glück von Begegnungen nachzudenken, denn es braucht nur wenig, um schöne Erinnerungen auferstehen zu lassen und Wohlgefühl zu schaffen. 

Vielleicht regt meine Liste zum Nachdenken an oder animiert zu heftigem Kopfschütteln, wodurch immerhin Bewegung ins Spiel kommt. 

 

Daher:

Here it is: Meine offizielle, völlig keimfreie Berührungsliste, unvollständig und aus einer Laune heraus entstanden!

 

Die kürzlich ausgesprochene Einladung an einem FreeDance-Kurs teilzunehmen.

Darüber habe ich schon eine Weile nachgedacht, jedoch kein Wort über meinen Wunsch verloren. Plötzlich trudelt eine Freundin ins Haus und lädt mich zum Mitmachen ein. Kann Sie etwa Gedanken lesen? Wenn ihr also demnächst jemanden in Steyr auf einer schönen grünen Wiese herumhopsen seht, der ein bisserl eigenartig wirkt, womöglich so, als hätte er etwas Grasartiges zu sich genommen: Das bin ich! 

 

Die Erinnerung an meinen aller-aller-allerersten Urlaub. Italien 1990. Auf der Suche nach einer leistbaren Unterkunft – die örtliche Jugendherberge war übervoll – spontan von Gleichaltrigen in ein Auto gepackt, in rasender Schnelligkeit und in einem völlig überladenen Kleinwagen (Fiat, è logico) in ein günstiges Hotel verfrachtet zu werden. Unter Gelächter und keinem einzig verstandenen Wort gut angekommen zu sein. Viele Jahre später habe ich aufgrund dieser schönen Erinnerung Italienisch gelernt. Ich kann es zumindest so gut, dass ich nicht verhungern oder verdursten muss und immer ein Bett zum Schlafen finden werde.

 

Tutto accade per un motivo. Nichts passiert ohne Grund.

 

Am frühmorgendlichen Weg zur Arbeit verblüfft feststellen, dass Frau tatsächlich hellwach ist. 

 

Mein Lieblingsgetränk mit den Worten „Einen Gin für die Queen!“ serviert bekommen, was zu herzhaftem Gelächter führt. Sowohl seitens des Überbringers, der bereits beim Servieren schmunzeln muss, als auch meinerseits, weil dieser Satz einfach herrlich charmant ist. 

 

Bewusst einen schweren Rechtschreibfehler in einem Text unterbringen und gespannt darauf warten, wem der Fehler zuerst auffällt, und wie mir – mehr oder weniger schonend – beigebracht wird, dass mein Schreibfehler nicht mit neuer deutscher Rechtschreibung vereinbar sei. Beim besten Willen nicht. Echt wirklich echt nicht. Echt.

 

Spaßeshalber getestet am schönen Wörtchen „scharmant“, aber nicht in diesem Text.  

 

Und jetzt?

Jetzt denken Sie vielleicht darüber nach, was auf Ihrer persönlichen Berührungsliste stehen wird.

 

Und ich?

Ich bleibe jetzt noch sitzen und schreibe auf, wer unbedingt noch auf meiner streng geheimen Berührungsliste stehen muss. Dabei schiebe ich die Zunge zwischen den Zähnen vor und beiße vor Aufregung fast d’rauf. Erfüllt von diebischer Vorfreude und beinahe grenzenlosem Übermut kritzle ich…

 

…Peggy Guggenheim hätte ich gerne einmal umarmt. Zu spät. Womöglich werde ich ihr Grabmal in Venedig umarmen, solange Venedig noch nicht untergegangen ist. 

 

…Bruce „Yippie-ya-yeah Schweinebacke“ Willis. Bruce stirbt mir nicht so schnell weg, der stirbt bekanntlich langsam. 

 

…Rudi, falsch, Roger Rabbit treffen. Miss Marple und Hercule Poirot auch. Oder sollte ich doch eine archäologische Grabung anstrengen, um Agatha Christies Gebeine ehrfürchtig betrachten zu können?

 

…Vlad Tepes, von Bram Stoker in Dracula verwandelt. Ja, das blutsaugendende Beißerchen muss auf jeden Fall auf meine Liste. Die Chancen auf ein Treffen stehen gut, denn Vampire leben beinahe ewig.

 

Ich klinke mich jetzt aus, denn auf meiner Liste ist noch längst kein Ende in Sicht… 

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-meine-beruehrungsliste;art68,3269351



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Astrid Miglar: Grenzen, eine große Mauer, mentale Hindernisse und mein Reiseverhalten.

11. Juni 2020 17:15 Uhr

 

REICHRAMING. Autorin Astrid Miglar nimmt uns in ihrem würzigen Wortwechsel heute mit in ihre Reiseträume und hält ein Plädoyer für Österreich.

 

***

Es gibt knapp 200 Länder auf dieser Erde. Etwa 30 davon habe ich bisher bereist. Jedes einzelne Land war wunderbar. Es gibt überall liebenswerte Menschen, mit denen man lachen, diskutieren, Essen und Getränke und Tofu teilen kann. Tofu, der mir in seiner Rohform wirklich nicht schmeckt. Als Alternative zu Affenhirn ist Tofu allerdings hervorragend.

Meine Reiseerinnerungen berichten von Kultur und Natur. Sie erzählen von Wunderbarem. Ungewöhnlichem. Exotischem. Aufregendem. Und sie halten Tavernen für mich bereit. Dort, wo erstickende Tourismuswellen ausbleiben, sind Begegnungen gastfreundlich.

 

Ich reise gerne, jedoch bedacht.

Ich suche Reiseländer nach speziellen Kriterien aus, und heikel bin ich auch.

Ich lasse den üblichen Dunstkreis hinter mir und reitet neuen Erfahrungen entgegen. Wären da nicht Hindernisse, die mit Eleganz genommen werden wollen, weil ich wählerisch bin.

 

Vor Jahren standen spannende Länder auf meiner Wunschliste. Jordanien beispielsweise.

Einmal die Felsenstadt der Nabatäer sehen. Doch die Sicherheitslage in Jordanien verändert sich schneller, als ich mich auf ein Dromedar setzen kann. Ich mag sie diese hoheitsvollen Tiere.

Wer schon einmal auf einem Dromedar im Galopp ritt, macht zudem folgende Erfahrungen: Ein Sturz von hoch oben sollte unbedingt vermieden werden.

Es ist sinnvoll sich mit den Oberschenkeln gut auf dem Rücken des Tieres festzuklemmen.

Der Muskelkater, der aus dem Festklemmen entsteht, ist ein wunderbar nachtragender.

 

Jordanien: Heute ein Land weniger auf meiner Reiseliste, deswegen aber noch lange kein persönliches Drama, schließlich bleiben noch einige Länder übrig.

 

Wohin des Weges also?

 

Moment, da war noch was!

Die Blacklist jener Länder, die mich nie wieder oder überhaupt nicht als Reiselustige begrüßen dürfen.

 

…Indien.

Herrlich exotisch. Beinahe kann ich, während ich diese Zeilen schreibe, Gewürze riechen. Chili. Curry. Kardamom. Ich denke an Tee. Ich gedenke Indiens Frauen, die nicht geboren werden, weil sie bereits als Embryo – aufgrund ihres falschen Geschlechts – abgetrieben werden. Ich sehe religiöse Diskriminierung und Zwangsräumungen indigener Bevölkerung.

Welcome to beautiful India.

 

…China.

Die Große Mauer. Monument der Ewigkeit. Hunderttausende Todesopfer während des Baus.

Heute? Folter und Menschenrechtsverletzungen sind chinesischer Standard. Die Anwendung der Todesstrafe erfolgt auch in Form öffentlicher Massenhinrichtungen. Menschen, die von der Norm abweichen, weil sie andere sexuelle Vorlieben haben, als die allgemeingültigen Regeln vorgeben, erleben Diskriminierung und Stigmatisierung. Tibet leidet seit Jahrzehnten unter Repressalien chinesischer Besatzer. Hongkong finden wir täglich in den Schlagzeilen.

 

…USA.

Trump. Patriotismus, der sich hart an der Grenze zum Nationalismus bewegt.

 

…Türkei.

Wunderschönes Land, Geschichte auf Schritt und Tritt.

Seit dem Putschversuch 2016 werden Freiheitsrechte mit Füßen getreten und mit notwendigem „Kampf gegen Staatsfeinde“ begründet. Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen wurden verboten. Meinungsfreiheit? Nein. Danke!

 

…Brasilien.

„Her name was Lola, she was a showgirl, with yellow feathers in her hair and a dress cut down to there… at the Copa, Copacabana, the hottest spot north of Havana.“ (*)

Die unmusikalische Seite dieses Landes?

Gelegte Waldbrände in Territorien indigener Gemeinschaften. Tötungen. Präsident Bolsonaros offen menschenrechtsfeindliche Politik.

 

…Ägypten.

Land der Pharaonen. Lebensader Nil. Wagt man es Regierende zu kritisieren, war man womöglich ein letztes Mal mutig. Gewalt, Gefängnis sind übliche Antworten auf freie Meinungsäußerung.

 

Meine Blacklist ist längst nicht vollständig angeführt, und obgleich ich weiß, dass es in jedem der genannten Länder Menschen gibt, die sich für das Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen, weiß ich auch, dass sie von Machthabern und Apparaten geknebelt werden, die kein Interesse an Freiheit haben. Als Reisende unterstütze ich beide Seiten.

 

Sie finden, das ist ein bedrückender Beitrag in Würzige WortWechsel?

Sie haben recht.

Es ist ein bedrückender Beitrag, wo wir uns doch aktuell über die Aufhebung von Reisegrenzen freuen dürfen.

Nun könnte ich mit einem originellen Schlusssatz alles umdrehen, einen Hauch Urlaubsstimmung und grenzenlose Lebensfreude vermitteln. Mich über Palmen, Meer, Gin Tonic und wunderbar gebräunte Körper auslassen. Sonnenschirm und Handtuch all inclusive.

Will ich aber nicht.

 

Ach, vielleicht doch: Pechschwarzer Humor passt doch immer. Oder etwa nicht?

 

Wenn Sie reisen wollen, dann verreisen Sie innerhalb Österreichs. Im Ranking der sichersten Länder sind wir spitze. Ebenso Skandinavien, die Schweiz, Slowenien, Grönland und Deutschland.

Wenn Ihnen das zu langweilig ist, Sie mehr Nervenkitzel genießen möchten?

Dann empfehle ich Libyen, Mali, die Demokratische Republik Kongo sowie Mexiko.

 

Und ich?

Meinen diesjährigen Urlaub genieße ich in Österreich. Es gibt viel zu entdecken. Vor meiner Haustür. Zudem schätze ich heimische Grundrechte. Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Redefreiheit und Grenzfreiheit. Alle Freiheiten beginnen im Kopf. Grenzen ebenso.

 

(*) „Copacabana (at the Copa)“ von Barry Manilow.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-grenzen-eine-grosse-mauer-mentale-hindernisse-und-mein-reiseverhalten;art68,3265617



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Astrid Miglar: Erzähl mir Märchen, aber lüg mich nicht an.

04. Juni 2020 11:00 Uhr

 

REICHRAMING. Die Ennstalerin Astrid Miglar will heute in würzigen Worten ein wenig Zuversicht schenken. Am kommenden Dienstag wechselt das Wort wieder zu Franz Brunner.

 

***

 

„Erzähl‘ mir ruhig Märchen, aber lüg‘ mich nicht an!“

 

Ist es das, was grenzenlosen Lebensbejahung ausmacht?

Sich einerseits in eine fantastische Traumwelt zu flüchten und andererseits zu wissen, dass man irgendwann daraus aufwachen muss?

Sich trotz allen Widrigkeiten seine Zuversicht nicht rauben zu lassen?

 

Unser Gehirn ist Meister darin, sich selbst zu belügen, die Realität stets ein klitzekleines Bisschen zum eigenen Vorteil zu verzerren.

Aber ist es falsch sich hie und da ein wenig zu betrügen, um sich das Leben oder eine finstere Situation schönzureden und sich mit Hilfe von Eigenmotivation durch anstrengende Zeiten zu manövrieren?

Das hilft doch beinahe immer.

 

>Beinahe< deswegen, weil wir im Laufe unseres Älterwerdens stets dazulernen. Wir wissen, dass es nicht sinnvoll ist die Augen vor unangenehmen Situationen zu verschließen. Wir wissen genau, was uns blüht, wenn wir den Kopf in den Sand stecken. Erfahrungen lehren uns ständig.

 

Im besten Fall lernen wir lebenslänglich, ohne dabei unter Haftbedingungen zu leiden. Wir sammeln Erkenntnisse. Wir werden zu weisen alten Frauen und Männern.

Im anderen Fall, der auch nicht unbedingt der furchtbarste sein muss, werden zuerst unsere Haare weiß, bevor wir den Zustand der Weisheit erreichen.

(Wie es um den Lernfähigkeitszustand jener Menschen bestellt ist, die kein Haupthaar mehr besitzen, vermag ich nicht zu beurteilen, bin aber unsicher, ob Haarmenge, Haarfarbe und Lernfähigkeit überhaupt etwas miteinander zu tun haben.)

 

Ich meine, dass eine zuversichtliche Herangehensweise hilfreich ist, wenn es um die Bewältigung dringlich-fieser Angelegenheiten geht. Angelegenheiten, vor denen man am liebsten Davonlaufen möchte.

Sich Situationen zu stellen, kostet Überwindung, erfordert Mut, stärkt aber auch. Und wissen wir nicht alle, dass uns fiese Angelegenheiten ohnehin einholen werden, einfach weil sie flotter sind?

 

Die Welt ist klein geworden.

Corona war schneller einmal rund um den Globus als wir es wahrhaben wollten.

Die Mutmaßung, eine Bedrohung am anderen Ende der Welt sei „eh‘ weit weg“, gilt nicht mehr.

 

Meine ungebremste Zuversicht wirft also einen ernsten Blick auf die instabile Gesamtsituation unserer Welt und meint:

„Alles wird gut. Es kann dauern. Aber wir schaffen das. Gemeinsam. Weil es uns nie an Hilfsbereitschaft gemangelt hat. Auch nicht am Willen an einem Strang zu ziehen. Zumindest den meisten Menschen mangelt es nicht daran. Ein Mensch ist dem anderen grundsätzlich wohlgesonnen.“

 

Die kollektive Weltuntergangsstimmung erwidert:

„Fürchtest du dich nicht? Siehst du nicht was rundum passiert. Die globale Vernetzung hat uns anfällig gemacht. Wir befinden uns im Krisenmodus. Du bist gutgläubig, geradezu naiv, wenn du meinst, dass ein Mensch dem anderen grundsätzlich wohlgesonnen sei. Zehn Streitwillige unter hundert Friedliebenden genügen, um einen Krieg heraufzubeschwören.“

 

Ich kontere halsstarrig: „Wer sich ewig sorgt, der ändert nichts.“

 

Widerworte bleiben aus, was auch daran liegen mag, dass ich sie nicht hören kann, weil ich mir einfach meine Zeigefinger in die Ohren gesteckt habe.

Sehr erwachsen. Ich weiß.

 

Dennoch, ich komme nicht umhin,…

…ganz unrecht hat er nicht, der Teufel auf meiner Schulter, der mir arglistig meinen Optimismus stehlen will.

Doch er hat keine Ahnung mit wem er sich anlegt.

In mir vereint sich eine ungewöhnliche Mischung aus Bonnie ohne Clyde, aus der Herzkönigin von Alice im Wunderland, aus Lara Croft, Lucy van Pelt, Salome mit Johannes‘ Haupt auf einem wunderbar ziselierten Silbertablett, Medusa und Lucy Wilde mit Lippenstiftschocker im Handtascherl.

 

Ehrlich. Mir tut der arme Teufel fast leid, wenn er sich mit mir beschäftigen muss.

Noch ehrlicher: Manches Mal fürchte ich mich auch selbst vor mir.

 

Übrigens, es gibt nur eine Macht, die meinen Optimismus schlagartig in Panik verwandeln kann.

Wenn ich mich nämlich sorgen muss bei dringlichem Bedarf keine Toilette zur Verfügung zu haben.

 

Stellen Sie sich vor, die letzte Tasse Kaffee hätte nicht getrunken werden dürfen. Und Sie haben nichts Besseres zu tun als blöderweise in einem mehrstündigen Stau auf einer mehrspurigen Autobahn zu stecken. Auf mittlerer Spur. Eingezwängt in eine Autolawine, die sich immer wieder unerwartet in Bewegung setzt. Rundum kein Wohnmobil in Sicht dessen Besatzung Sie um Zutritt zum wohnmobileigenen Töpfchen anflehen können. Keine Chance auf Erleichterung. Keine Werbetafel. Kein üppiger Strauch. Kein Holzstoß hinter dem Sie sich verbergen können.

Da hilft nicht einmal mehr heftiges Weinen.

Da geht der schönste Optimismus in die Hose.

 

PS: Die wunderbare Frauengruppe, die mich in einem Ford Transit unter ihren Mitreisenden hatte, weiß wovon ich schreibe. Die wunderbare Frauengruppe weiß auch, dass in einem solchen Fall eine Kunststoffflasche und ein Trattenbacher Zauckerl wichtige Überlebenswerkzeuge sind. Mit solchen Ausrüstungsgegenständen versehen, gewappnet gegen Widrigkeiten, steigt der Zuversichtspegel rasant an, wogegen der Pegel in der Blase… 

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-erzaehl-mir-maerchen-aber-lueg-mich-nicht-an;art68,3263715 



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Astrid Miglar: Was... wäre... wenn...? Der perfekte Mord.

28. Mai 2020 14:13 Uhr

 

REICHRAMING. Heute wechselt Astrid Miglar würzige Worte über einen perfekten Mord, ihre Lieblingsautorin und den Weltbestseller Bibel. Am Dienstag folgt ihr wieder Franz Brunner.

 

***

 

Was… wäre… wenn…?

…der perfekte Mord, und wie ich ein Scheitern verhindern kann!

 

Wie würde ich entscheiden, wenn ich bereits zuvor wüsste, dass ich an einem Vorhaben scheitern werde?

Würde ich dennoch einen Versuch riskieren?

Oder würde ich jeglichen Mut verlieren, mein Vorhaben aufgeben und Vernunft walten lassen, weil ich bereits um die Sinnlosigkeit meiner Bemühungen weiß oder um die Gefahren, die damit einhergehen?

 

Hmmm?

Wie erklär‘ ich das jetzt?

Rausreden gilt nicht, also geht nur liebevolles Drumherumreden.

 

Ich habe einen Lieblingsautor. Die in Wahrheit eine Lieblingsautorin ist. Isabel Allende.

Sie versteht es mit ihren Geschichten zu faszinieren. Spannend sind sie, traurig, abenteuerlich, hinreißend, mordsbegeisternd.

Ihre Erzählungen lassen Platz für erstaunliche Fantasien, für eigenartige Träume, für ein bisserl groteske Tragik, die bei den Opfern womöglich für Blutarmut sorgt oder für spontane Kopflosigkeit. Natürlich finden sich in ihren Geschichten auch fabelhafte Konflikte, fein gestreute Vernunft, herrliche Gemeinheiten, üppiges Drama und vielerlei fröhliche Einschränkungen, doch vor allem den energischen Hinweis darauf nie den Mut zu verlieren.

 

Ich mag ungewöhnliche Geschichten.

Nicht unbedingt jene, die einer Prinzessin einen Prinzen versprechen, eher schon solche, in der sich eine Hexe einen feurigen Ofen ganz genau von innen ansehen darf.

Märchen, in denen am Schluss die Liebe siegt, faszinieren mich – ich fürchte ich bin nicht besonders romantisch – nur mäßig. Ganz im Gegensatz zu Erzählungen, in denen das Böse mit Mord und Totschlag siegen darf.

 

Und,… ganz wichtig: Die Bösen müssen mit ihren herzlosen Taten durchkommen. Dürfen auf keinen Fall zur Rechenschaft gezogen werden. Niemals ertappt werden.

 

Ein absoluter Weltbestseller, den ich in diesen Zusammenhang unbedingt empfehlen kann: Die Bibel.

Darin kommt alles vor.

Love, Sex, Crime, Drugs and Rock’n’Roll. Weltherrschaft, Machtkämpfe, Vertreibung aus dem Paradies, Überflutungen mit bekannt tödlichen Folgen, Plagen (viele an der Zahl), Rache, Willkür, Wunderheilungen, Zauberkunststücke, Kreuzigungen und eine Auferstehung.

 

Aber zurück zu meiner Einstiegsfrage, deren Beantwortung noch aussteht. Ich habe doch wirklich geschickt versucht davon abzulenken, oder etwa nicht?

 

„Wie würde ich entscheiden, wenn ich bereits zuvor wüsste, dass ich an einem Vorhaben scheitern werde?“

 

Ich würde meinem stürmischen Ehrgeiz zuliebe den Schritt wagen – auch wenn mein Vorhaben missglücken könnte – damit ich mir später nicht vorwerfen kann, es nicht zumindest probiert zu haben.

 

Was kann mir im schlimmsten Fall passieren?

Dass ich mich blamiere?

Dass ich belächelt werde?

Dass mir jemand orakelt „ich hab’s dir ja gesagt“?

Dass ich erwischt werde? Und wenn ja, wobei?

Dass ich einen Rechtsbeistand brauche?

 

Hmmm?

Nur fast richtig!

 

Das Schlimmste, was mir passieren kann, dass ich aus meinem Scheitern lernen und aus diesem Lerneffekt zu einem anderen Zeitpunkt einen Erfolg machen kann. Einen Erfolg, der vielleicht ein bisschen auf sich warten lässt. Womöglich solange bis ich nach einem lebenslänglichen Aufenthalt in einem besonderen Institut in Freiheit entlassen werde. Oder – bei außergewöhnlich gutem Benehmen – eh‘ schon nach 15 bis 22,5 Jahren.

 

Diese Zuversicht möchte ich mir bewahren und diesen Optimismus wünsche ich auch Ihnen.

 

Was… wäre… wenn…?

…der perfekte Mord!

 

Und wie kann ich nun einen perfekten Mord begehen?

 

Ja, wenn ich das wüsste. Rate Ihnen aber, es wie einen Unfall aussehen zu lassen.

Oder einfach geduldig auf meinen ersten Krimi zu warten, der im Herbst 2021 auf den Markt kommen wird.

Den würde ich als Fachlektüre verwenden. Als beratendes Sachbuch für interessierte Handwerkerinnen und Handwerker sozusagen.

 

Gruß, Astrid 

(die über den perfekten Mord weiterhin intensiv nachdenken wird)

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-der-perfekte-mord;art68,3262009



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Astrid Miglar: Veränderungen: Eine Beobachtungsstudie!

21. Mai 2020 10:42 Uhr

 

REICHRAMING. Nach Wiederöffnung der Gastronomie gibt sich Astrid Miglar heute einer Beobachtungsstudie hin. Und sie trifft dabei auf den Trenzer. Am Dienstag folgt wieder Franz Brunner in der Reihe "Würzige WortWechsel".

  

 ***

 

VerENDErungen!?

 

Da sitzen sie. 
An der Bar. 
Erste Reihe, beinahe fußfrei zur hübschen Bardame und damit direkt an der Quelle zum Glück.

 

Der Gewissenhafte. 
Der Freiheitsliebende. 
Der Unkomplizierte.
Der Gemütliche. 
Der Trenzer. 

 

Sie alle sind wichtig, wenn es um die bunte Mischung geht. Keiner kommt ohne den anderen aus. Sie brauchen sich im Verbund. 


Furchtbarer als die anderen Hockersitzer, jedenfalls aber äußerst interessant, ist der Trenzer.

 

Trenzer, der (Substantiv, maskulin): Bedeutung allgemein: Weinen, speicheln, sabbern. 


Bedeutung im oberösterreichischen Ennstal: Ein Jammerer, der zu allem seinen Senf gibt, meist jedoch etwas zum Beklagen hat. Er findet kaum Positives an einer Angelegenheit und ist insgesamt kein Freund von Veränderungen.

Der Trenzer mag Beständigkeit, bevorzugt seinen üblichen Sitzplatz im Lokal und kann es nicht leiden, wenn dieser von einem anderen Hintern besetzt wird. Der Trenzer weiß alles. Vor allem besser. Er kennt sich in jedem Fachgebiet aus, kann mitreden. Auch ungefragt. Er ist Techniker, Chirurg, Aktienhändler und Bäcker, obwohl er nichts von allem erlernt hat. Er weiß instinktiv, dass die Vorschläge seiner Mitmenschen von geringem Wert sind. Wird er schließlich zu aktiven Handlungen gezwungen, glänzt er durch faule Ausreden und Flucht, die er mit dringlicher Reisetätigkeit, wichtigen Besorgungen oder überaus aktiver Darmtätigkeit entschuldigt. 
Zusammengefasst: Ein bemerkenswert entzückender Mitmensch, der belächelt und als Unikat bezeichnet wird.
 
Doch nicht nur der Trenzer hat wenig Verständnis für Veränderungen: 
"Der Wirt hat doch erst vor 15 Jahren die Biersorte geändert, warum denn jetzt schon wieder?"

 

Auch ich bin keine Anhängerin von Veränderungen. 
Was ich liebgewonnen habe, mag ich nicht mehr hergeben, will ich behalten dürfen. Auch Geschmäcker.


"Warum schmeckt das Milcheis einer bekannten Marke nicht mehr so gut wie vor 40 Jahren?"
"Ist das Eis womöglich sogar kleiner geworden? Oder ich größer?" 
"Oder liegt die Geschmacksverschlechterung vielleicht daran, dass ich die ideologischen Werte des herstellenden Konzerns nicht leiden kann?"

 

Darüber kann ich nun besonders lang und besonders ausgiebig nachdenken, während sich die Gespräche rund um mich um Hundekot, um Haarausfall und das Ende einer Lieblingsserie im Fernsehen drehen. 


Dann stelle ich fest: Denken verändert nichts. Rein gar nichts. Außer vielleicht die Art meiner Gedanken. 
Wenn ich will, dass etwas passiert, muss ich mich trauen, darf mich nicht fürchten. 
Ich muss mutig sein, mich begeistern können. 
Ich darf mich sogar ein bisserl über meine Spontanität freuen und darüber, dass ich ungeheuer draufgängerisch bin und überhaupt eine Entscheidung treffe. 


Und so bestelle ich „Einen Jägermeister bitte!“ und merke umgehend, dass die Veränderung zu meinem üblichen Konsumverhalten dazu führt, dass ich mir ein Versagen prompt eingestehen muss, denn dieser Kräuterlikör ist absolut nicht meine Geschmacksrichtung. Ein Riechen daran genügt, und ich schiebe das Getränk dem Trenzer hin, der sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegt und bekennt, dass er eifriger Restltrinker ist. Immer schon.

 

Veränderung, lerne ich, darf also auch durch Versagen bestimmt sein. Zumindest durch Irritation und einer hoffentlich nur kurzfristigen Verschlechterung einer Situation. Eine Veränderung ist nichts Endgültiges, das tröstet mich ganz außerordentlich während sich der Geruch des Kräuterlikörs aus meiner Nase verflüchtigt.

 

Veränderungen können positiv sein, konstruktiv, ein Weg zum Erfolg, ein Griff ins Klo.

Veränderungen gehört unvermeidlich zum Leben. Wir können uns nicht nicht verändern, und das ist gut so, sonst würden Sie diese Kolumne nicht lesen, weil ich sie schlicht nicht geschrieben hätte. 

 

VerENDErung ist nichts Endgültiges.

 

Fußnote: 
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit des Textes wurde in der Erwähnung der Hauptpersonen die beinahe ausschließlich männliche Form gewählt. In den meisten Fällen beziehen sich die Angaben daher nicht auf Angehörige beider Geschlechter.

Na so was!

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-veraenderungen-eine-beobachtungsstudie;art68,3259985



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Geduld & Normalität

14. Mai 2020 10:45 Uhr

 

REICHRAMING. Wie normal Astrid Miglar ist, was sie von dehnbarer Geduld hält und wie es um ihre Jugendsprachkenntnisse steht, erfahren Sie im folgenden Beitrag der "würzigen WortWechsel". Am Dienstag wird sie wieder von Franz Brunner abgelöst.

  

 ***

Strapazierte Geduld, ein wenig Normalität & wild zu verteilende Küsse!

 

Zuweilen strapaziert die Zukunft unsere Geduld, wobei Geduld etwas ist, das einem nicht unbedingt in die Wiege gelegt wird. Geduld kann man erlernen, indem man Ausdauer zeigt und sich in Gelassenheit übt.

Angeblich!

Was ich mit einem spöttischen „Sehr witzig!“ kommentiere und dazu ungeduldig mit einem Bein wippe. Unterm Tisch. Damit niemand sieht, dass Geduld nicht zu meinen herausragenden Charaktereigenschaften zählt.

 

Seit Wochen befinden wir uns in einer intensiven Lernphase betreffend Geduld, Durchhaltevermögen und neue Normalität. Ich ahnte bereits zu Beginn, dass es für mich anstrengend werden wird, denn zu den lammfromm-gleichmütigen Menschen gehöre ich nicht. Das beginnt damit, dass ich mit mir selbst nicht besonders geduldig bin. Mit anderen eher. Allerdings gesamt gesehen auch nur so lange, bis mir der Geduldsfaden reißt.

Der Geduldsfaden ist übrigens kein Gummiringerl, das sich gut dehnen lässt. Zumindest meiner nicht.

 

Beharrlich gebe ich mich der täglichen Arbeitsroutine hin, während im Hinterkopf Vorstellungen zu unmaskierten Treffen mit Familienangehörigen, Freunden und Wildfremden kreisen. in

 

In besonders übermütigen Gehirnzellen manifestieren sich Gedanken an Feste, die gefeiert werden wollen.

Es gibt, ich kann mich dunkel daran erinnern, zahlreiche Vergnügungen, die auf mich warten, z. B. ein herzlich-kreatives Zusammensein mit meiner textQuartett Steyr-Schreibrunde, die ich schon gefühlte Ewigkeiten nicht mehr treffen durfte. Ich vermisse meine 3 Vierterl und werde vermutlich bei unserem Wiedersehen vor Glück trunken sein, ohne auch nur ein Schlückchen Alkohol konsumiert zu haben und einen Glücksjodler anstimmen, obwohl ich gar nicht jodeln kann.

 

Genauso geduldig (zähneknirschend) schiebe ich einige meiner Träume auf. Ein klitzekleines Teilchen Zukunft liegt in Lauerstellung und wartet darauf in Erfüllung zu gehen.

 

Ich vermute, dass andere Menschen deutlich strapazierfähiger sind als ich. Wer kennt sie nicht die berühmten Worte „Das mach‘ ich, wenn ich in Pension bin, dann habe ich Zeit dafür.“

Derartige Aussagen nötigen mich dazu eine verblüffte Mimik zur Schau zu stellen.  Es kann sein, dass mein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Bestürzung und Verwunderung schwankt, denn mir wäre es einfach zu spät meine Vorhaben auf die Zeit des Ruhestands zu verschieben, weiß ich doch heute wirklich nicht, ob sich meine Zukunft Zeit nimmt und geduldig darauf wartet sich mit meinen kommenden Anliegen zu beschäftigen.

 

Geduld?

Normalität?

Ich knurre ein bisserl und bewundere ehrfurchtsvoll das Loch, das ich mit bloßen Füßen in den harten Parkettboden gescharrt habe.

 

Die von mir sehnsüchtig belauerte Eröffnung meines Lieblingsgastgartens, den ich ohnehin viel zu selten besuche, wird nur mehr kurz auf sich warten lassen. Ich schwöre, ich werde zum Stammgast mutieren.

 

Immerhin, den ersten Haarschnitt nach einer langen Geduldsphase, haben etliche Leserinnen und Leser wohl schon hinter sich.

Ein echtes Erlebnis. Beinahe einem einwöchigen Wellnessaufenthalt gleichzustellen.

Übrigens: Meine Haare wurden während der letzten Wochen von meinem Mann geschnitten. Ich hatte Glück, dass sein Können keinen Ausdruck in dramatisch-avantgardistischen Formen gefunden hat. Ich muss also nicht mit Würde einen besonders kreativen Stil tragen.

Trotzdem: Ich freue mich auf meine Lieblingsfriseurin und werde willig Haare lassen.

Ich warte geduldig auf einen Termin, der mir Normalität verspricht.

 

Und: Tante Astrid lauert auf die Zeit, in der sie ihre Nichte und die Neffen wieder abknutschen darf. Die Nichte kann lesen. Der große Neffe auch. Im kleinsten Nichtleser lebt meine Hoffnung, denn die Lesebefähigten werden sich beizeiten vorsorglich in die andere Richtung verkrümeln und den Kleinsten seinem Schicksal überlassen, sobald die Tante mit ihrem FIAT Panther anflitzt.

Kluge Kinder!

Doch ich erwische euch alle.

 

„BOG! Die ist doch nicht normal!“, höre ich ein Flüstern. (*)

 

Doch, doch, meine Rückkehr zur Normalität startet demnächst, obwohl ich – ganz ehrlich – nicht weiß, wie das gehen soll, denn aktuell fühle ich mich bereits belästigt, wenn sich jemand näher als 2 Meter an mich heranschleicht. Meine soziale Distanzierung ist also inzwischen tief verinnerlicht. Wie wird das erst, wenn meine Arbeitskollegen aus dem Homeoffice wieder zurück ins Büro kommen?

 

 

(*) „BOG“ ist als frisch kreiertes Jugendwort ein Allroundtalent, in allen Situationen flexibel anwendbar. Die genaue Bedeutung erfrage man bitte bei Schülern des BRG Steyr. Ich stelle gerne den Kontakt her.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-geduld-normalitaet;art68,3258343



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Emanzipation,... eine bösartige Erfindung?

08. Mai 2020 10:23 Uhr

 

REICHRAMING. Eigentlich hätte Astrid Miglar bereits gestern ihren stark gewürztes Wechselwort loswerden wollen und sollen. Die Redaktion hat es aber irgendwie nicht geschafft, dass Astrids Text auf Sie losgelassen wurde. Wir bitten um Nachsicht und holen die heute nach. Am Dienstag folgt (hoffentlich) wieder Franz Brunners WortWechsel zum Tag.

 

 ***

Personen, die beim Lesen der Wörter >Emanzipation< oder >Feminismus< Würgereiz verspüren, sollten JETZT tapfer sein, heißt es doch „Den Mutigen gehört die Welt!“, und genau denen widme ich diese Zeilen.

 

Kann Frau emanzipiert, womöglich sogar Feministin sein und gleichzeitig Männer mögen?

 

Ja, unbedingt.

Das eine schließt das andere nicht aus.

 

Eine nicht zu leugnende Tatsache ist, dass Frauen und Männer von Natur aus ungleich sind. Aber, auch Frauen untereinander sind niemals gleich, genau so wenig gleicht ein Mann dem anderen. Trotzdem wird genau dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern wiederkehrend als Argument gegen Gleichberechtigung herangezogen.

 

Ich starte zu meinem brandgefährlichen Thema eine Befragung im direkten Umfeld. Dazu gehe ich hinterhältig vor, verhalte mich, als könnte ich kein Wässerchen trüben, schlürfe Kaffee und weiß jetzt schon, es wird keine statistisch wegweisende Wahrheitsfindung werden. (Passen die Wörter Statistik und Wahrheit überhaupt zusammen?)

 

Ich bekritzle belanglos meinen Notizblock und stelle dem Subjekt meiner Befragung völlig unerwartet DIE eine KNALLHARTE Frage:

„Hältst du mich für emanzipiert?“

Mein Mann antwortet gelassen, weil ihm meine schnurstracks hingeworfenen Attacken vertraut sind:

„Ja, du bist unabhängig und gewohnt Entscheidungen zu treffen.“

 

Perfekte Antwort.

Genug der Worte.

Ich bohre nicht weiter und halte fest: Ich bin in seinen Augen also eine selbstverantwortliche Frau.

 

Selbstverantwortung?

Ja. Bitte. Unbedingt!

 

Es fällt mir leicht das zu sagen, weil ich in einem Land lebe, das ich grundsätzlich für fortschrittlich halte, was nicht bedeutet, dass das fortschrittliche Land nicht noch fortschrittlicher werden soll.

Frauen werden in vielen Ländern benachteiligt. Es wird ihnen das Recht auf Bildung verweigert, sie dürfen nicht frei über ihren Körper bestimmen, sind Gewalt und Vorherrschaft bevormundender Strukturen und Rechtsvorstellungen ausgeliefert.

Gleichstellung der Geschlechter, Unabhängigkeit, der Respekt gegenüber der Würde des Menschen sowie Auftritt gegen Sexismus sind Anliegen, die im 21. Jahrhundert nicht selbstverständlich sind, das Verlassen traditioneller Rollen ist jedoch mühsam.

 

Wiederkehrend berichten Frauen, dass sie in Leistungsbewertungen als dominant, barsch oder aggressiv bezeichnet werden. Frauen werden dazu angehalten sich zurückzuhalten, vor allem, wenn es um ihren Tonfall geht. Männer, die dieselben Eigenschaften an den Tag legen, werden in ihrem Betragen mit sich >noch stärker zu verhalten< motiviert. Frauen werden normiert, werden Verhaltensmuster unterworfen, deren Befolgung ihnen im nächsten Atemzug als Schwäche ausgelegt wird.

 

Nun genieße ich den Vorzug eines modern denkenden Mannes an meiner Seite, der mich in kein Rollenbild drängt. Ich kann meine Energien frei auf das verwenden, was mich begeistert. Dennoch ist mir bewusst, dass Emanzipation und Freiheit Angst machen können. Für Handlungen selbst verantwortlich zu sein, ist nicht immer einfach.

Schwierig an Selbständigkeit ist, dass – wenn man einmal damit angefangen hat – nur mehr schwer aus dieser Nummer herauskommt.

 

Doch macht es (m)ein Frauenleben tatsächlich schöner, wenn ich Verantwortung abschiebe?

Und: Sind Emanzipation und Feminismus tatsächlich gefährliche Erfindungen?

 

Wohl nur für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass alle Menschen das Recht auf anständige, gerechte Behandlung haben.

Wir sollten Vertrauen darauf haben, dass die Welt eine bessere ist, wenn sich die Geschlechter respektieren und zusammenarbeiten.

 

PS: Ich danke jenen Frauen, die Eismaschine, eine synthetische Faser namens Kevlar, Geschirrspüler, Solarheizung, den ersten Computer-Algorithmus, die Stammzellenisolation, Frequenzspreizungsverfahren, Autoheizung und Scheibenwischer erfanden oder auf den Markt brachten. Sowie jenen Männern, die für die Erfindung der Konservendose zuständig waren, genauso wie für Mundharmonika, Feuerzeug, Fahrrad, Auto, Telefon, Briefmarke und Toilettenpapier.

 

Nur die Erfindung der bügelfreien Hemden möge bitte noch einmal durchdacht werden, denn die sind allerhöchstens bügelleicht, aber nicht bügelfrei. 

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-emanzipation-eine-boesartige-erfindung;art68,3256608



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Die Faszination der Verhältnisse?

30. April 2020 10:22 Uhr

 

REICHRAMING. Astrid Miglar will Sie heute ein wenig mit ihren Verhältnissen faszinieren.

Über die „Magie der Prozente“ schrieb Franz Brunner zuletzt am Dienstag in der gemeinsamen Kolumne "Würzige WortWechsel".

***

Mathematik - ich kann mit 1000prozentiger Gewissheit behaupten - gehörte nie zu meinen Lieblingsfächern. Mathematik gleicht einer Fremdsprache, die erst dann verständlich wird, wenn man sich dieser Sprache hingibt, sich daran probiert. Die Wissenschaft der Zahlen beschäftigt sich mit komplexen Sachverhalten, beinhaltet Logik, wobei weibliche Logik von etwa 50 % der Weltbevölkerung nicht recht verstanden wird. Es sind eben nicht alle gleich begabt, wenn es um Mathematik geht.

 

Jedoch: Anziehende Faszination bleibt.

 

Beispielsweise fasziniert mich, dass wunderbar gekühlter Grüner Veltliner etwa 14 Volumsprozente aufweist, wogegen samtig-schwerer Portwein 20 % für sich in Anspruch nimmt. Wenn dann noch Sekt (12 %) und Zirbenschnaps (32 %) sowie zu guter Letzt ein Gläschen Whiskey (41 %) dazukommen, werden die Prozente immer lustiger und irgendwie auch unberechenbar. Naturwissenschaftlich betrachtet, ist es überaus faszinierend, wie aus Früchten und Getreide derart interessante Flüssigkeiten werden können. Ich bin hingerissen, ich beobachte, teste und analysiere.

 

Und dann?

Dann stelle ich fest, dass meine mathematischen Fähigkeiten enorm visionär sind, ich zu abstraktem Denken fähig bin und Zusammenhänge durchschauen kann, die bisher undurchschaubar schienen. Was womöglich auch daran liegt, dass mein Veltliner durchscheinend ist.

 

Warum ich mich während meiner Schulzeit vor Mathematikschularbeiten gefürchtet habe, wird mir nach einem Stamperl Zirbenschnaps immer unklarer. Mein Whiskey und ich müssen über meine einst voluminösen Ängste sogar ein wenig kichern.

Gut, dass uns dabei niemand beobachtet.

Gut, dass ich schon zuvor berechnet habe, dass sich in den Gläsern 119 % versammeln. So ungefähr.

Appetitlich abgefüllt, sorgsam darauf bedacht nur nichts zu verschütten, außer genau dorthin, wo es hingehört.

 

Ich habe die 100 %-Marke tatsächlich angenehm verwerflich überschritten und werde mich nun einer Promillerechnung zuwenden. Womöglich unterstützt mich mein höchstpersönlicher Polizist bei der Definition der >Magie der Promille<, beginnend mit einer hochgezogenen Augenbraue, von deren perfekter Kurvenlage ich tief beeindruckt bin.

 

Logische Schlussfolgerungen:

Mathematik ist eine Naturwissenschaft, die sich mit Körpern, Bewegungen, Mengen und anderen Phänomenen beschäftigt. Aktuell tendiere ich dazu unter anderes Phänomen zu fallen. Zumindest ein bisschen. Mir kann man begegnen, mich erkennen, verstehen und meine kreativen Taten sind durchaus logisch zu begründen.

 

Hinzu kommt, damit der Theorie auch Praktisches folgt:

Ein Weinschrank kann auch andere Getränke kühlen.

Ich strapaziere meine Leber nicht weiter, stoße auf Ihre Gesundheit an und berücksichtige gedanklich dabei die Magie der Promille.

Mein Auto bleibt in der Garage, wird vorerst nicht in Betrieb genommen.

Froh bin ich, dass ich von meiner Wohnzimmercouch nicht weit nach Hause habe.

Anstelle eines Trinkspruchs formuliere ich ein mühelos umzusetzendes Vorhaben: Ich werde künftig vor allem unsere heimische Wirtschaft fördern.

Die, direkt ums Eck.

 

Was ich mir auch von Ihnen wünsche.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-die-faszination-der-verhaeltnisse;art68,3254624



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Toleranz: Ach, wie nett! Wie freizügig sind wir wirklich? 

23. April 2020 11:04 Uhr

 

REICHRAMING. Den sechsten Teil der würzigen WortWechsel des Autorenduos Miglar/Brunner hat heute Astrid Miglar verfasst. Die Ennstalerin betrachtet das Thema Toleranz ein wenig näher. 

*** 

Toleranz. Ach, wie nett" Wie freizügig sind wir wirklich?

 

„Ich halte mich für tolerant.“

Vermutlich hat diesen Satz schon der eine oder andere Despot von sich gegeben, bevor er zum äußersten Mittel der absoluten Entscheidung griff und seiner Aussage ein „aber“ anfügte.

 

Ich bin Alleinherrscherin.

Zumindest auf ein paar hundert Quadratmetern.

Mein Garten, von mir auf den Namen >Bienenwiese< getauft, prüft meine Toleranzbereitschaft laufend. Das Leben in meiner Bienenwiese ist der Meinung, dass Toleranz bereits im Klitzekleinen beginnt und die Aufgeschlossenheit der Gärtnerin erprobt werden muss.

 

Gewähren lassen?

Dies scheitert häufig bereits gegenüber Geringfügigem. Ich höre sie, die Klagen über Unkräuter, die Gespräche über Verwendung von Gift, ablehnende und zustimmende Argumente, die zuweilen beinahe militanten Argumentationen zur Pflanzung einheimischer oder fremder Pflanzenarten…

 

Gewähren lassen!

Alljährlich im Herbst übergebe ich dem Erdboden meiner Bienenwiese wilde Mengen an Blumenzwiebeln. Es ist wie ein Rausch. Ich versenke Zwiebeln von Traubenhyazinthen, Krokussen, Narzissen und Märzenbechern. Gelbe Krokusse sind mir die liebsten, sie werden im Vorfrühling für erfreuliche Farbtupfer sorgen.

 

Toleranzbeweis 1)

Nicht nur ich freue mich über gelbe Krokusse. Herr Amsel tritt regelmäßig zu Nahkämpfen an, kaum dass sich im Frühling die erste gelbe Blüte aus der Erde schiebt. Er findet das knallige Gelb höchst aufregend, denn als Amselmännchen sieht er darin einen Amselkonkurrenten. Zumindest aber den Schnabel seines schlimmsten Amselfeindes, dem er sich stellen muss. Ich dagegen weiß, es bleiben mir noch weiße und violette Krokusse, soll Herr Amsel sich ruhig mit den gelben anlegen.

 

Toleranzbeweis 2)

Von den ursprünglich mehreren hundert Zwiebeln, die ich jährlich tieferlege, bleiben etwa zwanzig übrig die tatsächlich austreiben. Meine Wühlmäuse sind es, die sich während der kalten Jahreszeit ihre Bäuche mit Zwiebeln vollschlagen. Jedes Jahr hoffe ich auf einen anderen Ausgang. Jedes Jahr werde ich eines Besseren belehrt.

Die Wühlmäuse gedeihen.

Immerhin etwas, das gedeiht.

 

Toleranzbeweis 3)

Wussten Sie, dass Maulwürfe Fleischfresser sind?

Die Wahrscheinlichkeit von einem Maulwurf in den Zeh gebissen zu werden, liegt deutlich höher, als dass Obstbäume durch Maulwürfe Schaden erleiden, wogegen vegetarische Wühlmäuse durchaus saftige Obstbaumwurzeln lieben. Ich jedenfalls schätze Maulwürfe, auch wenn sie in meinem Garten pyramidenförmige Häufchen aufwerfen. Maulwurfserde ist perfekte Blumentopferde. Haben Sie bisher Ihren höchstpersönlichen Maulwurf für seine Grabungstätigkeit verflucht, so lassen Sie ihn künftig ruhig gewähren. Er sorgt nicht nur für feinkrümelige Erde, er liebt Fleisch pur, was bedeutet, dass er sich regulierend über Wühlmäusenachwuchs hermacht.

 

Doch wie ist es um unsere Toleranz bestellt, wenn wir es nicht schaffen über Winziges wie Unkräuter, Amseln, Maulwürfe und Mäuse hinwegzusehen?

Wenn wir aus Harmlosem etwas grauenhaft Schauerliches machen?

Wie gehen wir dann erst mit unseren Mitmenschen um?

Wie gehen wir mit jenen um, die uns nicht zu Gesicht stehen, die anderer Meinung sind?

 

Womit ich mich wieder bei der eingangs erwähnten Diktatoren-Aussage befinde „Ich halte mich für tolerant, aber…“

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-toleranz;art68,3252904



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in  Nachrichten

Astrid Miglar: Eine Geschichte über heftige Liebesanfälle und die Aussicht auf Hoffnung 

16. April 2020 10:33 Uhr

 

STEYR. Teil 4 der "würzigen WortWechsel" bestreitet heute die Reichramingerin Astrid Miglar. Franz Brunner folgt wieder am Dienstag.

***

Das Leben ist reizvoll, voller Überraschungen, manchmal richtig bissig. Der Unterschied besteht darin, ob ich zubeiße, mich beißen lasse oder vergessen habe, wo meine Ersatzzähne liegen. Nachfolgende Handlung läuft in ähnlicher Form Tag für Tag ab. Menschen werden um ihre Hoffnungen betrogen, wenn es um Liebe geht oder Versprechungen auf eine gemeinsame Zukunft. Mit der Aussicht auf Erfüllung von Sehnsüchten wird Geld verdient, wird gelogen und hintergangen. Wachsam bleiben!

 

Sie kennen sie?

 

Verführer, Charmeure, Lockvögel. Soziale Medien sind voll mit Fake-Konten, deren Profile interessant-schöne Gesichter bieten, die Sehnsüchte stillen.

 

Männer, die nur auf MICH warten, wovon ich durchaus zu überzeugen bin, mich kurz täuschen lasse. Allerdings nur so kurz - damit Sie ein Gefühl für Kürze bekommen - dass ich jeden 100-Meter-Lauf gewinnen würde. Selten, nur wenn ich wirklich übermütig bin, lasse ich mich auf dieses Spiel ein.

 

Ich kann ihre Lügen riechen, bevor das erste Wort verfasst wurde. Ich erkenne ihre Schwindeleien an der Art ihrer Präsentation. Ganz abgesehen davon, dass mir der letzte Lügner das Profilfoto eines berühmten türkischen Schönheitschirurgen unterjubeln wollte.

 

Warum ich das weiß?

 

Das Netz hilft auch bei der Suche nach gestohlenen Gesichtern.

 

Wie begegne ich also meinem höchstpersönlichen Herzensbrecher?

 

Er – der hinreißend Gutaussehende – schickt mir eine Freundschaftsanfrage. Nur MIR. Sein Porträt überzeugt. Ich verliebe mich blitzartig und weiß instinktiv, auch ihm wird das gelingen. Nämlich sich sofort und unsterblich in mich zu verlieben.

 

Kaum ist die Freundschaftsanfrage bestätigt, schicke ich meine erste Nachricht in seine Welt. Ich will nicht warten, bis er mich kontaktiert. Sie müssen wissen, ich bin heißblütig. Ich gebe richtig Gas. "Oh my god. You are sooo hot!!! How old are you?“

 

Meiner Nachricht füge ich eine außerordentlich dramatische Anzahl an Herzen hinzu, schließlich zählt der erste Eindruck.

Ob ich zu dick aufgetragen habe? Keinesfalls. Offenbar bin ich ein Naturtalent. Ein weiblicher Casanova. Casanovarova also.

 

Mein Süßer sitzt vor Oslo auf einer Ölplattform und schüttet mir sein Herz aus. Seine Lebensgeschichte unterscheidet sich kaum von jener seiner Vorgänger. "Ich bin seit kurzem Witwer, habe einen kleinen Sohn/eine kleine Tochter, liebe Hunde/Katzen und habe eine Vorliebe für Blumensträuße/Sonnenuntergänge."

 

Dieses Mal ist er Ingenieur (nicht Arzt oder Anwalt). Er ist übrigens bereits der zweite Ingenieur, der sich auf einer norwegischen Ölplattform nach mir verzehrt, vielleicht sogar Tränen vergießt. (Befinden sich beide womöglich auf derselben Plattform? Wird der Meeresspiegel aufgrund vergossener Tränen dramatisch ansteigen?)

 

Er opfert mir seine wertvolle Zeit. Er weiß es noch nicht, doch sein Hoffen ist umsonst. In dieser Hinsicht bin ich grausam. So grausam wie jene pubertären Typen und Typinnen, die auf einen Anruf warten lassen, der nie kommt. Das ist MEINE Chance auf spätpubertäre RACHE.

 

Ich warte nur noch seine Anfrage zu meiner finanziellen Gesamtsituation ab. So viel Zeit muss sein.

 

Dann erfolgt…

 

…der Todesstoß!

 

Zuerst empfehle ich meinem Ölingenieur seinen Schönheitschirurgenzwilling im türkischen Izmir zu besuchen. Ich finde, die beiden sollten sich unbedingt kennenlernen. Obendrein bitte ich ihn künftig einfallsreichere Lebensläufe zu entwickeln. Ich will nicht sagen, dass Ingenieure, Ärzte und Anwälte out sind. Gar nicht. Aber wenn sie in Massen auftreten, sind sie doch ein wenig überwältigend. Immerhin weiß die halbe Welt, dass Frauen auf Uniformen stehen und Mechaniker.

 

Außerdem: Ich bin gelangweilt und gelangweilte Frauen sind hinterhältig (zumindest ich) - in Corona-Zeiten noch ein bisserl mehr als sonst.

 

Resümee: Ich lasse sein Profil löschen. Ein Fake-Konto weniger. Jetzt gehe ich die Bearbeitung der anderen 999.999 an.

Und wo bleiben nun die Lichtblicke?

 

Es sind nicht Betrüger, die unsere Gesellschaft ausmachen. Gewiss nicht, denn es gibt sie. Menschen, die es ehrlich mit uns meinen, und damit lebt die Hoffnung auf Aufrichtigkeit.

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/eine-geschichte-ueber-heftige-liebesanfaelle-und-die-aussicht-auf-hoffnung;art68,3250921



Kolumne "Würzige Wortwechsel" in Nachrichten

Astrid Miglar: Nichts Tödlicheres, als langsam wachsende Furcht 

09. April 2020 11:58 Uhr

*** 

REICHRAMING. Nach dem Steyrer Franz Brunner zum Auftakt ist heute die tief verwurzelte Ennstalerin Astrid Miglar in der Reihe "würzige WortWechsel" mit ihrer Kurzgeschichte an der Reihe.

In Zeiten wie diesen gibt es nichts Tödlicheres als langsam wachsende Furcht!

 

In Zeiten wie diesen wünschen wir uns, dass in einer Woche, in zwei Wochen, in allerhöchstens drei oder vier Wochen alles wieder beim Alten ist. Wir möchten, dass sich unsere Pläne für die nahe Zukunft erfüllen. Freizeitwünsche, Urlaube. Wir wollen Feste feiern, ohne uns ängstigen zu müssen.

 

Wie geht es mir, die ich tatsächlich für Ende Mai Urlaub gebucht habe? 

 

Nach Frankreich. 

 

Dorthin, wo die Corona-Situation derart angespannt ist, dass Menschen älter als 75 Jahre, die als Notfall ins Krankenhaus kommen, keine künstliche Beatmung erhalten können. Nötige Kapazitäten dafür sind einfach nicht vorhanden. 

 

Ich sitze vor meinem Laptop, betrachte meine Finger, die darauf warten, dass sie in die Tasten hauen dürfen und merke, wie gleichgültig mir mein Urlaubswunsch geworden ist. Ich erkenne, wie nebensächlich es ist, dass ich mich darauf gefreut habe, meine miserablen Französisch-Kenntnisse an den Französinnen und Franzosen zu erproben (ich kann perfekt nach den Toiletten fragen). 

 

Ich erkenne die Unwichtigkeit mancher meiner Wünsche. 

Ob ich die neueste Frühjahrsmode benötige oder die Wahl zwischen 5 oder 10 verschiedenen Joghurtsorten haben muss? 

 

Ich erkenne die Instabilität der Gegenwart und bemerke, dass ich mich hinter trügerischer Sicherheit versteckt habe, dass ich unzufrieden bin, weil der Ausgang dieses Szenarios für mich nicht kontrollierbar ist. 

Ich schätze mich glücklich, dass in meiner Welt die Versorgung mit Wasser, Strom und Nahrung gesichert ist.

Ich ahne, dass mich Selbstverständlichkeit einholen wird, wenn sich die Situation wieder normalisiert.

 

Will ich wirklich vergessen? Und was kommt DANACH, nach Corona?

 

Wie im Film wünsche ich mir ein Happy-End. Doch diese liebenswert-schnulzige Garantie gibt es nicht.

 

Ich begreife, dass Furcht ein schlechter Ratgeber, das Erkennen von Gefahr ein wichtiger Instinkt ist.

Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass meine Stärke in der Ruhe liegt, nicht in der Panik.

Ich wünsche mir die Gabe genau hinzusehen, einen kritischen Blick. Zu werten, was wichtig ist und was mich nur als wichtig blenden will.

 

Und ich wünsche mir die Seele streichelnde Kleinigkeiten:

Kaffee (schwarz und teuflisch stark).

Ein Punschkrapferl mit viel Rum inside.

Herzhaftes Lachen, um Mutlosigkeit Konter zu bieten, ganz nach dem Zitat einer Figur aus Umberto Ecos >Der Name der Rose<: „Lachen tötet die Furcht!“

 

(Die Figur hat übrigens noch mehr gesagt, aber ich habe beschlossen deren Wortmeldung nach diesen vier Worten abzuwürgen.

Ich bin eine Frau, ich darf das.)

 

Xund bleib’n!

 

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/astrid-miglar-nichts-toedlicheres-als-langsam-wachsende-furcht;art68,3249485



07.04.2020

Oberösterreichische Nachrichten  

Das Geheimnis ist keines mehr!

Wir - Franz & ich - werden künftig die Kolumne "www - Würzige WortWechsel" in den OÖ Nachrichten befüllen.
Lesen & genießen!


Was bitte?

"Würzige WortWechsel?"

Falsch! Völlig falsch!

Es muss heißen: Wer bitte sind...

"Würzige WortWechsel?"

Lasst Euch überraschen, denn diese Baustelle wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet.

Der Arbeiter und die Arbeiterin oder auch umgekehrt, haben sich längst kennengelernt und abgesprochen.

Ein erster Plan steht.

Doch: Noch ist nicht allzuviel passiert. Wenn etwas passiert wäre, stünde das bereits hier.

Aber DANACH, wenn alles vorüber ist, wird alles anders sein.

Hmmmm? Wird es das wirklich?

Nur eins noch, der da - Franz Brunner - ist der Rädelsführer: www.franzbrunner.at

Bleibt d'ran. Mehr folgt!

Gruß, Astrid

(01.04.2020,... kein Aprilscherz,... oder doch?)