Sauna für Bienen?

 

Bienensauna & warum die asiatischen Bienen von der Varroa-Milbe weniger beeinträchtigt werden als unsere Honigbienen?

Interview mit meinen Imkerpaar!

 

Eigentlich hat sich das Gespräch während des Geburtstags der Imkerin ergeben, aber Interview klingt professioneller, und es weiß ja keiner, dass ich dabei geschlemmt habe!

 

Letztens erzählt mir also mein imkerndes Paar, dass sie sich jetzt eine Sauna zugelegt hätten. Eine Bienensauna!

 

Ich denk‘ mir noch: „Die sind aber extravagant unterwegs!“, bis sie mir erklären, warum sie ihre Bienen in die Sauna schicken. Ihre Bienen werden künftig mit außerordentlicher Wärme versorgt, anstelle von Oxal- oder Ameisensäure, die bisher im Einsatz gegen die Varroa die Mittel der Wahl waren.

 

In der Bienensauna werden jene Waben bei einer Temperatur von 42°C gewärmt, in denen sich Brut und Königin befinden. Dazu muss aber die Königin auch mit d’rin sein, das gilt es sich zu vergewissern, denn es werden nur jene Brutzellen gewärmt, in die Frau Königin ihre Eier legt.

 

Warum genau diese Brutzellen mit Wärme behandeln? Weil die Varroa-Milbe ihre Eier ausschließlich in unverdeckelten Brutzellen ablegt und daher dort die größte Milbenbelastung zu finden ist.

 

So ein Saunagang dauert an die 2 Stunden. („Hyperthermie-Behandlung“ heißt das in der Fachsprache.)

Wärmer als 42°C darf es keinesfalls werden, denn das würde die Brut töten.

Niedriger darf die Temperatur auch nicht sein, denn das brächte in der Varroa-Behandlung keinen Erfolg.

Die etwa gefrierschrankgroße Sauna ist gut isoliert, damit keine äußeren Einflüsse das Saunieren stören können.

90 % der Milben sollen dadurch abgetötet werden.

2 Mal im Jahr kommt die Bienenbrut in die Sauna.

 

Honigbienen halten 45°C aus.

Varroa-Milben halten 40°C aus und sterben bei höheren Temperaturen ab.

Das ist auch der Grund, warum sich die asiatischen Bienen besser gegen die Varroa helfen können. Durchschnittstemperaturen, die höher liegen als bei uns, lässt die Milbe in Asien eher zugrunde gehen, als in unseren gemäßigten Breiten. Durch die südliche Wärme schlüpfen dort auch die Bienen früher, so kann sich die Varroa-Milbe weniger intensiv verbreiten. Die asiatische Biene hat evolutionär besser mit der Varroa zu leben gelernt. Unsere Honigbienen hatten diese Lernphase nicht.

 

Eine weibliche Varroa-Milbe braucht ca. 6 Tage bis zur vollständigen Entwicklung.

Ein Varroa-Milben-Männchen ca. 7 Tage.

Eine Bienenkönigin schlüpft nach 16 Tagen, eine Arbeiterin nach 21 Tage und eine Drohne nach 24 Tagen aus ihrer Zelle.

 

Wie kommt die Varroa aber in den Stock?

Sie fliegt mit einer Arbeitsbiene mit, auf der sie sich - irgendwann einmal - niedergelassen hat. Dort braucht sie nur an den richtigen Ort zu gelangen und das können sie leider viel zu gut!

Oder sie kommt mit einer Räuberbiene in den Stock.

Sie kann auch durch eine sich verfliegende Biene (Frauen & Orientierungssinn) eingeschleppt werden oder durch einen Brutableger.

 

Zurück zur Varroa-Vermehrung:

Die Königin legt also ein Ei in eine Zelle.

Die von der Milbe befallene Arbeiterin füttert die Larve.

Die Varroa-Milbe schleicht sich vor der Verdecklung in die Zelle ein und vermehrt sich.

Sie legt mehrere Milbeneier ab, wobei das erste ein Männchen ist, das die nachfolgenden Weibchen befruchtet.

Das Männchen stirbt, die Varroa-Weibchen sorgen für Ärger.

Zuerst leben sie vom Futtersaft der Bienenbrut, dann stechen sie die Bienenlarve an und leben von ihr.

Varroa-Milben vermehren sich ausschließlich in der verdeckelten Bienenbrut. Je länger also die Varroa-Milbe sich in einer Brutzelle vermehren kann, desto mehr Milben werden im Stock zu finden sein. Daher ist auch die Drohnenbrut vermehrt von Varroa-Milben betroffen, da die Drohnen erst nach 24 Tagen schlüpfen und die Varroa dort bessere, weil längere Vermehrungsbedingungen vorfindet. Und die Varroa schlüpft mit jeder neuen Biene und befällt schließlich auch die erwachsenen Bienen im Stock.

 

Zur besseren Vorstellung:

Anfang Februar befinden sich im Bienenstock 50 Varroa-Milben.

Jeden Monat verdoppeln sich die Varroa-Milben. 50 > 100 > 200 > 400 > 800 > 1.600 > August 3.200.

Ende August beherbergt das Volk 3.200 Varroa-Milben, da während der Honigproduktion keine Oxal- und Ameisensäurebehandlung erlaubt ist (findet sich sonst alles im Honig wieder).

Ein Varroa-Befall von 50 Milben kann sich so bis Ende August auf 3.200 Milben vermehren.

Diese Menge tötet die Bienen über den Winter.

Die Bienensauna soll dies verhindern!

 

Was sich mein Imkerpaar und auch ich sehr wünschen, da die Varroa nicht nur ein lästiger Parasit ist, sondern auch für Krankheitsbilder (Flügeldeformationen) und Virenübertragung sowie eine Schwächung des Immunsystems zuständig ist.

Vergleichbar mit einem Schnupfen in einem Großraumbüro! Ein Schnupfen tötet nicht, eine Grippe kann durchaus tödlich sein.

In etwa so verhält sich die Varroa zur Biene.

 

Gruß, Astrid

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