Neobiota & militante GärtnerInnen

Heftige Diskussionen!

Militante GärtnerInnen!

Schwarz-Weiß-Ansichten!

Es ist nicht leicht Ruhe zu bewahren, wenn es um das hitzige Thema „Neobiota“ geht!

 

Was sind Neobiota?

 

Neobiota sind Arten, die sich mit oder ohne menschliches Zutun in einem Gebiet ansiedeln, in dem sie zuvor nicht heimisch waren

Neobiota heißt nichts Anderes als „Neues Leben“.

 

Zu diesem Begriff gehören nicht nur Pflanzen (Neophyten), sondern auch Tiere (Neozoen) und Pilze (Neomyceten).

Alle sind sie „Neo“, also recht neu in unseren Landschaften, in unseren Gärten.

Im englischsprachigen Raum heißen sie übrigens „Alien Species“ oder „Invasive Species“, was sich gleich noch viel gefährlicher anhört.

 

Und: Wir sind Schlepper.

Alle.

Mehr oder weniger, wenn es um so manche Arten dieser „neuen“ Pflanzen geht.

 

Wollt ihr Beispiele?

 

Ich kann euch ein paar Pflanzen aufzählen, die wir schon „ewig“ kennen, die ursprünglich aber keine heimischen Gartenlieblinge sind.

 

Flieder (Syringa vulgaris), wurde 1560 von Konstantinopel (Istanbul) nach Wien gebracht und hat sich duftend in unseren Gärten angesiedelt.

 

Ein Import aus China – „Made in China“ - ist die Pfingstrose (Päonia), deren prächtige Blüten den Frühlingsgarten verschönern.

 

Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) stammt eigentlich aus dem südöstlichen Europa.

 

Auch Erdäpfel (Kartoffeln), Kukuruz (Mais) und Paradeiser (Tomaten) gehören zu den Einwanderern, wobei sie nicht invasiv und daher als „unproblematisch“ eingestuft werden. Außerdem essen wir die einfach auf, genauso wie Topinambur.

 

So manche Rosenschönheit kommt aus Pakistan, Iran oder von noch weiter weg.

 

Und trotzdem sind wir ihnen nicht böse und sehen sie als Bereicherung in unseren Landschaften an.

 

Natürlich könnte ich jetzt zur militanten Gärtnerin mutieren und auch diesen eingewanderten Pflanzensorten ein Leben in meinem Garten absprechen, aber ich erlaube mir zu unterscheiden.

 

Außerdem mag ich Flieder, Pfingstrosen und Nachtkerzen, genauso wie den heimischen Apfelbaum, die Wildrose, all‘ die kleinen und größeren Blüher, die sich nicht aufdringlich verhalten oder im nachbarlichen Garten - ungewollt - Fuß fassen.

Denn ich meine, dass es schon noch einen Unterschied geben darf zwischen jenen, die ich dulde und jenen, die ich nicht im Garten haben will.

 

Bei den Tieren will ich lieber nicht von der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) gestochen werden, die sich als Krankheitsüberträgerin erweist.

 

Oder auch Ambrosia, eine Pflanze, die über Vogelfutter ausgesät wird und hoch allergen wirkt, gehört nicht in meinen Garten.

 

Wuchernde Pflanzen, wie der Japanischer Staudenknöterich (Wachstum bis zu 25 cm am Tag und Wurzeln, die bis zu 2 Meter tief im Boden stecken) verbanne ich mit einem eiskalten Blick.

 

Das Drüsige Springkraut (wenn es manche auch wegen der schönen Blütenfarbe mögen) unterdrückt heimische Pflanzen, indem es invasiv wuchern. Eine einzelne Pflanze produziert an die 4.000 Samen, die wild herumgeschleudert werden. Auf einem Quadratmeter landen so an die 32.000 Samen. Eigentlich recht erfolgreich. Zumindest aus Sicht der Pflanze.

 

Es gibt Bäume, die aufgrund ihres dichten Wurzelwerks eine Konkurrenz für einheimische Arten darstellen, da sie die im Boden vorhandenen Nährstoffe für sich beanspruchen und den einheimischen Bäumen die Nahrung von den Wurzeln wegstehlen.

 

Genauso ergeht es mir mit der Kanadischen Goldrute, die wächst mir deutlich zu wild und kann durchaus zu unkontrollierbaren Plage werden.

 

Invasoren sind auch der Essigbaum. Dessen Wurzelausläufer verbreiten sich hemmungslos, genauso wie die Rhizome des Bambus und so mancher Chinaschilfarten.

 

Die Robinie ist ein Zuwanderer, genauso wie der Riesenbärenklau, dessen Verbreitung nicht mehr zu stoppen ist.

Der Riesenbärenklau sondert eine Substanz ab, die den natürlichen Sonnenschutz der Haut auflöst. Eine einfache Berührung löst eine Hautverbrennung aus, danach folgen Fieber und Schweißausbrüche, im schlimmsten Fall bis hin zum Kreislaufschock.

 

Sommerflieder (bei uns auch bekannt als Schmetterlingsflieder) wird in Spanien bereits verflucht und dezimiert, weil er Überhand nimmt.

 

Sie breiten sich aus und drohen heimische Arten zu verdrängen, die wiederum für den regionalen Lebenskreislauf von Mensch, Tier und Pflanzenwelt wichtig sind.

 

Neobiota können also durchaus den Bestand heimischer Arten stark verringern.

Die möglicherweise mitgeschleppten Parasiten arbeiten daran auch mit.

So kann ich absichtlich oder unabsichtlich zum Artensterben beitragen.

 

Weitere Beispiele gefällig?

 

Katzen, die auf einer Insel, auf der Bodenbrüter heimisch sind, angesiedelt werden, sorgen so für ein Aussterben der Vögel (Neuseeland hat Probleme damit). Wie, das ist hoffentlich allen klar!

 

Ratten, die auf eine Insel eingeschleppt werden, können dort den Nährstoffeintrag auf der Insel senken, weil Seevögel die von Ratten bewohnte Insel meiden. Pflanzenarten, die sich an den Guano gewöhnt haben, werden einfach „verhungern“, zumindest aber werden sie sich stark reduzieren.

 

Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 1.100 Fremdlinge, davon halten ca. 250 bis 300 dauerhaft durch (nicht jede Pflanze oder jedes Tier schätzt winterliche Kälte, was bei Gelsen durchaus seine Vorteile hat).

 

Wie können wir uns wehren?

 

Bei den Pflanzen: Keine invasiven Neophyten im Garten zulassen. Und wenn wir unseren einheimischen Pflanzen Zeit und Zuwendung geben und sie wachsen lassen, dann haben die durchaus eine Chance gegen Eindringlinge. Bäume werden höher als das Springkraut, nehmen dem Springkraut damit das Licht und dann tut sich auch so eine invasive Pflanze mit der Vermehrung schwer.

 

Funktioniert so leicht aber nicht bei jedem unerwünschten Eindringling.

Leider!

 

Da hilft nur bedachter Einkauf, bedachter Tausch bei Tauschbörsen und unter Pflanzenliebhabern und sich über den neuen Freund oder die neue Freundin im Garten informieren, bevor ein Drama daraus wird.

 

Gruß, Astrid

 

Übrigens: Mit jeder Pflanzenart, die verschwindet, verlieren gleichzeitig etwa zehn Tierarten ihren gewohnten Lebensraum (habe ich gerade gelesen).

 

PS: Das Foto des Schmetterlingsflieders ist übrigens in Südengland entstanden. Dort ist dieser Neophyt bereits ebenso eine Plage wie in Spanien.

 

PPS: Und dass ich mich nur für wenig militant halte, beweist vielleicht meine gemütliche Gartenbank ;) auch ein Lieblingsplatzerl. Was aber nicht heißen soll, dass ich militant invasive Arten in meinem Garten willkommen heiße!

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